berliner szenen: Sei nicht traurig, Frida
Ich bin mit Matteo im Mauerpark verabredet. Er ist nicht allein, sondern hat ein Date mitgebracht. Über nebenan.de hat er sich einen Dackel ausgeliehen.
„In meinem Leben fehlte ein Hund“, sagt er. „Aber ich wollte mich nicht gleich langfristig und bis dass der Tod uns scheidet binden. Nächste Woche habe ich eine Verabredung mit einem Dalmatiner.“ – „Hört sich vernünftig an“, sage ich. „Klingt aber auch ein bisschen wie Tinder.“ Matteo verzieht das Gesicht. Ich habe einen wunden Punkt getroffen. Matteos Beziehungsleben ist kompliziert. Er sucht die große Liebe, trifft sich aber mit einem Match nach dem anderen. Und wundert sich dann, dass die Männer nicht länger als eine Nacht bleiben. Was erwartet er, wenn sein Profilname „Gigolo Tears“ lautet? Ich deute auf den Dackel. „Wie heißt er denn?“ – „Frida Kahlo“, sagt Matteo. „Ah, eine Hündin. Hola Frida, cómo estás?“ Sie sieht mich mit leicht schräg gelegtem Kopf an. Ihre Augenbrauen sind völlig unauffällig. „Wo wollen wir lang?“, frage ich. „An der Max-Schmeling-Halle vorbei und dann rüber zum Humboldthain.“ – „So weit?“ – „Frida Kahlo braucht Bewegung, wir auch – Win-win.“ Ich deute auf das Ende der Leine. „Eher Wau-wau.“ Frida Kahlo bellt. Ein paar Bäume weiter steht ein Cockerspaniel und schaut zu ihr herüber. „Markiert sie gerade ihr Revier?“ Matteo sieht mich fragend an. Ich schüttele den Kopf. „Dann würde sie ihr Bein heben. Ich glaube, sie kennen sich. Vielleicht ist das Diego Rivera.“ Frida Kahlo bellt immer noch. Der Cockerspaniel setzt sich wieder in Bewegung. An langer Leine läuft er schwanzwedelnd einem Chihuahua hinterher. Frida Kahlo winselt. „Das war ganz sicher Diego Rivera“, sagt Matteo grimmig. Er kniet sich neben die Dackeldame und streicht ihr tröstend über das Fell. „Scheiß auf die Männer. Die brechen mir auch immer das Herz.“ Daniel Klaus
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