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Schwenk zum Patienten

■ Ärztetag verabschiedete gesundheits- politisches Grundsatzprogramm

Köln (dpa) – Mit mehr Kostenbewußtsein und schlankeren Strukturen ließen sich nach Ansicht des Berliner Ärztepräsidenten Ellis Huber im Gesundheitswesen jährlich 30 bis 40 Milliarden Mark einsparen. Allein bei Arzneimitteln gebe es ein Sparpotential von etwa 10 Milliarden, sagte Huber am Rande des 97. Deutschen Ärztetages, der nach fünf Tagen am Samstag in Köln zu Ende ging. Weitere 10 Milliarden Mark könnte eine engere Verzahnung von Krankenhäusern und ambulantem Bereich bringen. Das klare Bekenntnis des „Ärzteparlaments“ zu dieser Verzahnung bezeichnete Huber als „Jahrhundertereignis“ und „radikalen Fortschritt“. In ihrem neuen gesundheitspolitischen Grundsatzprogramm erteilen die gewählten Vertreter der rund 300.000 deutschen Ärzte dem unkritischen Arzneimittelkonsum eine Absage. Der Arzt müsse in jedem Fall prüfen, ob er mit einer Medikamentenverordnung den besten Behandlungsweg eingeschlagen habe. „Das Arzneimittel darf nicht das ärztliche Gespräch ersetzen“, heißt es in dem Programm. Bei aller Kritik in Einzelpunkten bewertete Huber, der als Kritiker traditioneller Standespolitik gilt, das neue Programm im Ansatz als positiv. Die Ärzteschaft habe einen „Schwenk hin zu den Patienten“ vollzogen. „De facto sind fast alle Vorschläge abgelehnt worden, die uns früher in Verruf gebracht haben.“

In einem Beschluß forderte der Ärztetag Gesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) auf, der steigenden Brustkrebsrate durch eine bundesweite Studie und ein bundesweites Register Rechnung zu tragen. Eine von zehn deutschen Frauen erkranke in ihrem Leben inzwischen an Brustkrebs.

In ihrem Grundsatzprogramm nehmen die Mediziner zudem Stellung zur geplanten nächsten Gesundheitsreform. Sie sprechen sich dafür aus, daß der Leistungskatalog der Krankenkassen durchforstet wird, versicherungsfremde Leistungen konsequent ausgrenzt werden und bestimmte Versicherte höhere Beiträge zahlen.

Die zunächst vorgesehene Einführung des Verursacherprinzips wurde jedoch ebenso abgelehnt wie die Ausgrenzung von „Bagatellerkrankungen“. Auch einer Selbstbeteiligung der Patienten als reines Finanzierungsinstrument erteilten die Ärzte eine Absage.

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