: „Schwarzer Mann zum Anfassen“ gegen Rassismus
■ Die nach den Anschlägen in Hoyerswerda gegründete Künstler-Initiative „Courage gegen Fremdenhaß“ will ihre Arbeit auf alle Berliner Schulen ausweiten
Wenn immer mehr Ausländer nach Deutschland kommen, dann „gibt es bald keine Currywurst mehr“. Ohne Ausländer „hätten wir keine Kiwis“. Das sind Sätze, die der seit 1979 in Berlin lebende Jean-Jerome Chico-Kaleu-Muyemba aus Zaire bei seiner Aktion zur „multikulturell-antirassistischen Erziehung“ an Kindergärten und Schulen in Berlin und Brandenburg von Mädchen und Jungen zum Thema Ausländer hörte. „Ausländer zerstören die deutsche Kultur“ und „Deutschland muß rein sein“, kam da aus Kindermund.
Der „schwarze Mann zum Anfassen“, wie er sich auch vorstellte, forderte den Schüler Sven auf, seinen Namen in deutscher Schrift zu schreiben und sein Alter in deutschen Zahlen dazu. Das konnte Sven nicht, denn die Schrift ist lateinischen und die Zahlen sind arabischen Ursprungs, was den Jungen maßlos verblüffte.
Jean-Jerome Chico-Kaleu-Mayemba arbeitet inzwischen in der nach den fremdenfeindlichen Aktionen von Hoyerswerda gebildeten Initiative „Courage gegen Fremdenhaß“ mit. Ihr gehören deutsche und „ausländische Inländer“, Künstler, Autoren und Journalisten, an. Mit dabei sind unter anderem Volker Ludwig vom Gripstheater, die Schriftstellerin Inge Deutschkron, Autor Peter Schneider und die türkische Lyrikerin Zehra Chirac. Zu den Unterstützern zählen unter anderem der Opern-Intendant Götz Friedrich und Otto Sander. Der Schauspieler kündigte an, jetzt richtig einzusteigen, denn „nur Zettel unterschreiben kann jeder“.
Seit Sommer 1993 sind die Künstler an zwölf Berliner Schulen mit Unterstützung der Schulverwaltung gewesen, um mit Erzählungen, kleinen Texten, Kabarettnummern und Filmen der Fremdenfeindlichkeit entgegenzutreten. Die Erfahrungen waren so positiv, daß die Aktion jetzt auf alle Berliner Schulen ausgedehnt werden soll. Es zeigte sich nämlich, daß „neben dem Pluspunkt der ungewöhnlichen Vortragsmittel der Vorteil, von außen zu kommen, durchaus Früchte trägt“.
Die Autorin Inge Deutschkron („Ich trug den gelben Stern“) wurde beispielsweise „überschüttet mit Anfragen vor allem aus dem Westteil“. Sie beobachtete auch, daß das Interesse der Kids „ungeheuer groß“ ist. Wie mehrere andere Aktivisten der Initiative machte sie jedoch gelegentlich auch schlechte Erfahrungen mit den Lehrern, die an den Veranstaltungen teilnahmen. Die erhoben teilweise keineswegs Widerspruch, wenn Schüler fremdenfeindliche Äußerungen machten, oder sie schlossen als rechtsorientiert geltende Schüler gleich aus. ADN
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