: Schwammberger: „Ich war Lagerkommandant“
■ Mutmaßlicher NS-Verbrecher sagt vor Gericht aus/ Der Angeklagte erhielt noch 1954 einen deutschen Paß
Stuttgart (dpa) — Der mutmaßliche NS-Verbrecher Josef Schwammberger hat vor Gericht eingeräumt, im zweiten Weltkrieg Kommandant eines Ghettos im polnischen Arbeitslager Przemysl gewesen zu sein. Der ehemalige SS-Oberscharführer betonte allerdings, „daß das kein Konzentrationslager war“. „Da war ich sogenannter Lagerkommandant“, sagte der 79jährige Angeklagte, der sich seit Mittwoch vor dem Stuttgarter Landgericht wegen Mordes und Beihilfe zum Mord an mehreren tausend Juden verantworten muß. Zu den ihm zur Last gelegten Taten machte Schwammberger noch keine Angaben.
Zuvor hatte die 9. Strafkammer dem Antrag seiner Pflichtverteidiger stattgegeben, Schwammberger erneut auf seine Verhandlungsfähigkeit untersuchen zu lassen. Nach Ansicht der Verteidigung leidet er unter Kreislaufproblemen und altersbedingten Konzentrationsschwierigkeiten. Schwammberger soll laut Anklage als Kommandant von Arbeitslagern in Polen zwischen 1941 und 1944 mindestens 45 jüdische Frauen und Männer ermordet haben. Außerdem soll er bei der Ermordung von weiteren 3.377 Menschen Beihilfe geleistet haben. An das Arbeitslager Rozwadow, wo der gebürtige Südtiroler als Lagerkommandant ebenfalls mehrfach eigenhändig Juden ermordet haben soll, hat er nach eigenen Angaben vor Gericht keine Erinnerung mehr. Allerdings könne er sich an ein Stahlwerk in der Nähe von Rozwadow erinnern, wo er sich nach seiner Dienstzeit beim SS- und Polizeiführer von Krakau Ende des Jahres 1942 für kurze Zeit aufgehalten habe. Er habe nur gewußt, daß dort Juden unter der Bewachung ukrainischer Wachmannschaften arbeiteten. Schwammberger sagte überdies aus, er habe sich für die im Lager Prezmysl eingerichteten Werkstätten nicht interessiert.
In der weiteren Vernehmung zu seinem Lebenslauf berichtete der Angeklagte, er habe im Juni 1954 von der Deutschen Botschaft in Argentinien unter Vorlage seines abgelaufenen Passes aus dem Dritten Reich einen neuen Reisepaß auf seinen Namen ausgestellt bekommen. Schwammberger war 1945 in Innsbruck festgenommen worden, 1948 floh er jedoch und galt seitdem als untergetaucht.
Argentinien hatte den ehemaligen SS-Oberscharführer im Mai vergangenen Jahres an die Bundesrepublik ausgeliefert.
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