Schrittweise Lockerung in Spanien: Madrid weiter im Alarmzustand

Bis Ende Juni will Spanien mit einem „Deeskalationsplan“ zur Normalität zurückkehren. In der Hauptstadt herrscht indes immer noch eine Ausgehsperre.

Ein älterer spanischer Mann sitzt mit Mundschutz auf einer Parkbank in Madrid

Dürfen leider weiterhin nur höchstens eine Stunde pro Tag an die frische Luft: Einwohner von Madrid Foto: Eduardo Parra/dpa

MADRID taz | Spanien geht einen weiteren Schritt in Richtung „neuer Normalität“: Gebiete, in denen 51 Prozent der Bevölkerung leben, werden ab Montag in die erste von insgesamt vier Phasen des sogenannten „Deeskalationsplans“ eintreten. Das gab der sozialistische Gesundheitsminister Salvador Illa am Freitagabend nach langen Gesprächen mit den Regionalregierungen bekannt.

Elf von insgesamt 17 autonomen Regionen kommen in die erste Phase des Plans, darunter das Baskenland, die Balearen und die Kanaren. In anderen Regionen wie etwa Katalonien oder Valencia sind Lockerungen nur in wenigen Gebieten erlaubt. In ganz Spanien gilt seit dem 15. März und noch mindestens bis zum 23. Mai der sogenannte Alarmzustand. Eine strikte Ausgehsperre ist in Kraft.

Die Menschen in den Regionen der ersten Phase dürfen sich wieder mit bis zu zehn Personen treffen. Gartenkneipen dürfen öffnen, wenn auch nur 50 Prozent ihrer Fläche. Geschäfte mit bis zu 400 Quadratmetern können Kunden unter strikten Sicherheits- und Hygienebestimmungen empfangen. Auch Museen dürfen für eine beschränkte Besucherzahl öffnen, das Gleiche gilt für Kulturveranstaltungen. Gottesdienste finden bei höchstens einem Drittel der Kapazitäten statt.

Die erste Phase soll, wie alle folgenden auch, mindestens zwei Wochen bis zum 25. Mai dauern. Sobald alle Provinzen in der vierten Phase angekommen sind, soll es wieder Bewegungsfreiheit im ganzen Land geben – Ende Juni, wenn alles gutgeht.

In Madrid erstmal keine Lockerungen

Der Entscheidung des Expertenstabes unter Gesundheitsminister Illa liegen neben den Neuinfektionen und Todesfällen auch das jeweilige regionale Gesundheitssystem zugrunde. Nur die Provinzen, die genügend Krankenhausbetten und ausreichend Intensivbehandlungsplätze vorweisen, haben Anspruch auf weitere Öffnungen.

Dort, wo die restlichen 49 Prozent der Spanier leben, gibt es Gesundheitsminister Illa zufolge erst einmal keine Lockerungen für mindestens eine weitere Woche. Eine der wenigen Erleichterungen sind dort seit Anfang Mai ein einstündiger Spaziergang pro Tag und Sport an der frischen Luft. Das betrifft die Provinzen Granada und Málaga im Süden, Toledo, Ciudad Real und Albacete im Zentrum des Landes sowie weite Teile der Mittelmeerregion um Valencia.

Die Regionalregierungen der Regionen Castilla y León und Katalonien haben von vornherein nur für wenige ländliche Gebiete den Antrag auf die erste Lockerungsphase gestellt. Madrid ist die von der Pandemie am schwersten getroffene Region des Landes. Bis Samstag waren knapp 65.000 Infektionsfälle und rund 8.600 Tote gezählt worden.

Die Regierungskoalition der Region Madrid aus der konservativen Partido Popular (PP) und rechtsliberalen Ciudadanos (Cs) zeigte sich nicht so einsichtig. Regierungschefin Isabel Díaz Ayuso wollte die Hauptstadtregion, in der allein ein Drittel aller Infektionen, Intensivbehandlungen und Todesfälle in Spanien auftraten, um jeden Preis in die erste Phase hieven und damit Lockerungen erwirken.

Epidemiologin warnte vor Lockerungen und trat zurück

Dabei warnte die Direktorin des regionalen öffentlichen Gesundheitssystems, die Epidemiologin Yolanda Fuentes, davor. Es fehle an Ressourcen und Personal in der medizinischen Grundversorgung, steht in Fuentes 28-seitigem Bericht, der Pressevertretern vorliegt. „Es werden mehr Intensivpatienten eingeliefert als es Plätze gibt.“

Fuentes weigerte sich daraufhin, den Antrag auf die erste Phase zu unterschreiben und trat stattdessen von ihrem Amt zurück. Regierungschefin Díaz Ayuso schickte daraufhin den Antrag und die Eckdaten ohne Unterschrift ans Gesundheitsministerium. Auf die Gefahr einer möglichen Zunahme der Neuinfektionen nach einer übereilten Öffnung angesprochen, antwortete Díaz Ayuso: „Jeden Tag werden Menschen angefahren, ohne dass deshalb die Autos verboten werden.“

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