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■ SchnittplatzEin deutscher Streit

Nie wieder Deutschland. Das sagen die einen – und beklagen „die braune Versumpfung ehemaliger Roter“.

Unter der Gürtellinie. Sagen die anderen – und mögen sich nicht als „fellow-traveller des Faschismus“ anprangern lassen.

Um die Frage, ob sich zur Nation und zum Volk Bekennende auch links nennen dürfen, hat sich zur Zeit in der linksradikalen Presselandschaft ein absurder Streit entwickelt, der Faxgeräte zu Stalinorgeln werden läßt. Überschrift: Hermann L. Gremliza gegen den Rest der Welt.

Die Kontrahenten sind die linke Hamburger Zeitschrift Konkret (Herausgeber Gremliza) und die Berliner Tageszeitung Junge Welt (Verleger Gremliza) auf der einen Seite. Auf der anderen finden sich die PDS und die mit ihr sympathisierenden Blätter Neues Deutschland und Arbeiterkampf (heute: Analyse & Kritik, AK).

Weil die anti-deutsche Konkret seit Wochen und Monaten „völkische“ Trends und „deutsch-nationale“ Kandidaten bei der PDS geißelt (Bismarck-Urenkel), verhängte die Partei unlängst einen Anzeigenboykott: Keine Reklame für den Europa-Wahlkampf, weil sich „die Konkret-Redaktion die PDS – deutlich vor CDU und SPD – zu ihrem bevorzugten Angriffsziel erwählt hat“. Anzeigen würden so bloß „anbiederisch“ und „kontraproduktiv“ wirken, teilte Parteivorstand André Brie am 10. Mai den Hamburgern kurz und realkapitalistisch mit: „Wenn wir Geld ausgeben, muß es Sinn machen.“

Umfangreicher nervte danach wiederum Konkret das Neue Deutschland mit einem halben Dutzend Faxe. Es möge doch bitte bitte einen Leserbrief zu einem ND-Artikel abdrucken, der sich mit einer Konkret- Diskussion (Titel: „Deutsch oder links – die Nation und ihre Opposition“) befaßte. Der tatsächlich enorm PDS-freundliche Artikel zu der Rostocker Diskussion (zu der die PDS geladen war, aber nicht kam) enthalte „Lügen“. Doch beim ND biß Konkret auf Granit. Kein Abdruck nirgends. Jetzt will Konkret den Leserbrieftext im Kleinanzeigenteil des ND unterbringen.

Deftigere Rache an PDS/ND nehmen durfte Wiglaf Droste in der vergangenen Woche in Gremlizas Junger Welt. Dort entlarvte er den ND-Chefredakteur Reiner Oschmann als humorlosen Kohl-Kolumnisten, VW-Vento-Autokritiker und unfähigen Pink-Floyd-Rezensenten. Tätä, tätä, tätä.

Auch Analyse & Kritik wird von Konkret völlig zugefaxt. AK hatte unlängst fälschlicherweise behauptet, daß Konkret-Herausgeber Hermann L. Gremliza auch Herausgeber der Jungen Welt werde. Außerdem wurde unheimlich betroffen Gremlizas harter Kurs gegen die ostdeutschen JournalistInnen des früheren FDJ-Blatts kritisiert. Gremliza reagierte streng juristisch: mit einem Unterlassungs-, Verbreitungs- und Widerrufsbegehren. Darauf ließ sich AK nicht in gewünschter Weise ein und riskiert nun, für Strafen und Anwaltskosten fast 10.000 Mark abdrücken zu müssen. Mit dem albernen Hilferuf „Rettet den AK!“ wandte sich das Blatt an die Öffentlichkeit. Gremliza wolle AK „finanziell ruinieren“. Heul, jaul.

Um Rettung flehen muß demnächst wohl eher die Junge Welt. Denn wie man hört, gingen nach dem Abdruck des Droste-Verrisses über Oschmann bei dem kränkelnden Blatt (Auflage 30.000) die Abo- Kündigungen gleich stapelweise ein.

Ein an sich wichtiger Streit wird hier auf miefigstem Macho-Niveau geführt – und verengt auf die PDS. Dabei wären die Grünen, die immer öfter an „das Volk“ appellieren und sich um deutsche „Identität“ und um „Verantwortung“ sorgen, auch ein schöner Gegner. Gar nicht zu reden von den Sozialdemokraten, die im Euro-Wahlkampf ganz bewußt nationalistische Phrasen dreschen: „Deutsche Interessen besser vertreten“. kotte

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