: Schneller Freispruch in NS-Prozeß
Frankfurt am Main (taz) — Der Ex-Polizist Michael Scheftner (73), der sich vor dem Landgericht Kassel wegen des Vorwurfs der Beihilfe an der Ermordung von 30 Sinti und Roma im Mai 1942 in der Ukraine verantworten mußte (taz vom 26.10), ist gestern überraschend schnell freigesprochen worden — kurz nach Abschluß der Beweisaufnahme. Scheftner, so das Gericht, sei eine konkrete Tatbeteiligung nicht nachzuweisen.
Auch die Staatsanwaltschaft hatte in einem Kurzplädoyer Freispruch für Scheftner gefordert. In einem Gespräch mit der taz protestierte der Zentralrat der Sinti und Roma in Heidelberg gegen den „Freispruch im Schnellverfahren“. Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen den Vertreter der Staatsanwaltschaft, der „keinerlei Bemühungen“ gezeigt habe, durch detailliertere Befragung der Zeugen die konkreten Aktivitäten Scheftners bei dem Massaker aufzudecken. Romani Rose vom Zentralrat: „Ein derartiges Vorgehen in Strafverfahren gegen Beteiligte einer Massenmordaktion ist wenig geeignet, Vertrauen in die Rechtstaatlichkeit dieser Verfahren zu fördern.“
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