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Schlecker in der Klemme

■ Gewerkschaft fordert 100 Millionen, die im Tarif festgelegt sind / Staatsanwälte ermitteln wegen Steuerhinterziehung

Mannheim (AP/Reuter) – Anton Schlecker, Inhaber der Drogerie-Kette mit 22.000 Filialen, muß sich zur Zeit gleich in zwei Richtungen verteidigen. Einerseits ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn, weil er mit fingierten Arbeitsverhältnissen Steuern hinterzogen haben soll. Zum anderen wirft ihm die Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen (HBV) vor, seine Beschäftigten um hundert Millionen Mark Lohn pro Jahr zu prellen.

Nachdem im August eine Filialleiterin in Köln von einem Ladendieb ermordet wurde, meldeten sich viele Schlecker-Mitarbeiterinnen bei der HBV und klagten über schlechte Sicherheitsbedingungen in den Läden und untertarifliche Bezahlung. Franziska Wiethold vom HBV-Vorstand faßte gestern das Ergebnis zusammen: „Schlecker mißachtet die Tarifverträge.“ Oft bekämen Verkäuferinnen monatlich 500 Mark weniger, als ihnen nach Tarif zusteht. Manche Filialleiterinnen würden sogar um 1.000 Mark pro Monat geprellt. Auf diese Weise „bereichert sich Schlecker auf Kosten seiner Angestellten Jahr für Jahr um fast 100 Millionen Mark“, erklärte die Gewerkschafterin.

Außerdem, so die HBV, sollen aus Sicherheitsgründen 4.500 Schlecker-Filialen mit mindestens zwei Beschäftigten besetzt werden. Weiter müßten Telefone und Überfall-Alarmknöpfe sowie verbesserte Geldtransport-Regelungen geschaffen werden, fordert die Gewerkschaft.

Weil Schlecker die Wahl von Betriebsräten häufig verhindern will, haben sich laut HBV in Baden-Württemberg bereits Pfarrer und Abgeordnete verpflichtet, für Kandidaten zur Schlecker-Betriebsratswahl Patenschaften zu übernehmen, um sie so vor dem Druck der Firma zu schützen.

Schlecker selbst will in der nächsten Woche in einer vorgezogenen Jahrespressekonferenz zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

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