■ SFOR durchsucht das Hauptquartier der bosnischen Armee: Schlag gegen die Falschen
Ein konsequentes Verhalten war vom Kommandostab der SFOR-Truppen in Bosnien-Herzegowina seit Jahren erwartet worden. Anstatt jedoch gegen die Kriegsverbrecher aufzutreten, hat sich die internationale Friedenstruppe lieber anderen, weit weniger risikoreichen Aufgaben zugewandt. Sicherlich ist die Räumung von Minen ehrenvoll. Und auch der Bau von Brücken und Eisenbahnen.
Es ist nicht anzunehmen, daß das in Sarajewo kursierende Bonmot „Nato-Soldaten sind Feiglinge“ die internationale Friedenstruppe zur Aktion bewegt hat. Eine weit größere Rolle dürfte vielmehr der politische Druck gespielt haben, der seit der Bosnien-Konferenz in Bonn vor Ort zu spüren ist. Wenn das Abkommen von Dayton duchgesetzt werden soll, dann muß auch endlich auf dem Feld der Kriegsverbrecher etwas geschehen. Das ist eine der Botschaften der Bonner Konferenz gewesen. Und dem kann man auch nur zustimmen.
Wenn nun aber das Hauptquartier der bosnischen Armee von Einheiten der deutsch-französischen Brigade durchsucht wurde, dann müssen sich die SFOR- Truppen jedoch fragen lassen, ob sie den richtigen Adressaten für ihren Aktionsdrang gefunden haben. Schließlich sind unter den Offizieren der bosnischen Armee wohl schwerlich Kriegsverbrecher anzutreffen. Die sitzen, wie in Den Haag leicht zu erfahren ist, vor allem in der Republika Srpska. Die meisten der Adressen von ihnen sind zudem bekannt.
Aber vielleicht diente die Durchsuchung bei der bosnischen Armee ja dazu, andere Aktionen von weitaus größerem Ausmaß vorzubereiten. Schon die Festnahme von zwei Kroaten hat angezeigt, daß da etwas in Gang gekommen ist. Mit dem Argument, man gehe auch gegen die Kroaten und die muslimischen Bosniaken vor, ließe sich ein Vorgehen gegen serbische Kriegsverbrecher trefflich begründen.
Die Frage ist allerdings, ob die Aktion der deutschen Soldaten in Sarajewo nicht sogar einen Querschuß gegen eine solche Strategie darstellt. Es wäre nach all den Skandalen für die deutsche Bundeswehr nochmals äußerst peinlich, wenn sich herausstellen sollte, sie hätte als Teil der deutsch-französischen Eiheiten lediglich französische Wünsche erfüllt. Das US-amerikanische Aufrüstungsprogramm für die bosnische Armee mit dem Namen „train and equip“ ist den serbenfreundlichen Franzosen nämlich schon seit längerem ein Dorn in Auge. Erich Rathfelder
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen