Schlag gegen Fahrdienstvermittler Didi: China drangsaliert Uber-Klon

Peking geht gegen seine Tech-Branche vor: Zuerst traf es das Onlineimperium Alibaba, nun ist der Fahrdienstvermittler Didi dran.

Ein Börsenhändler mit Headset in der New Yorker Börse - uaf einer Anzeigetafel ist das Logo des Tech-Unternehmend Didi zu sehen

Am Freitag hatte Didi bei der Börsennotierung in New York noch 4,4 Milliarden Dollar eingesammelt Foto: Brendan McDermid/reuters

PEKING taz | Didi ist eine jener Apps, die aus dem Alltag in China nicht mehr wegzudenken ist. Konnte man vor wenigen Jahren noch geschwind am Straßenrand ein Taxi herbeirufen, funktioniert dies nun nur noch per Smartphone.

Das chinesische Äquivalent von Uber gewann – wie viele Tech-Firmen in der Volksrepublik – seine über 450 Millionen Nutzer, weil die schützende Hand des Staats die Konkurrenz aus dem Silicon Valley zuvor verbannt hatte. Nun jedoch schiebt jener Staat dem fast 70 Milliarden Dollar schweren Konzern einen Riegel vor.

Am Sonntag hat die Cyber-Aufsichtsbehörde Didi aus den App-Stores verbannt, da es „persönliche Nutzerdaten illegal gesammelt“ und „schwerwiegend gegen die Gesetze verstoßen“ haben soll. Am Montag gab der Uber-Klon bekannt, dass keine neuen Nutzer mehr registrieren würden. Und dass man von einbrechenden Profiten ausgehe.

Am Freitag hatte die Pekinger Firma bei ihrer Börsennotierung in New York noch fulminante 4,4 Milliarden Dollar eingesammelt. Gegen mindestens drei weitere Techies wird ermittelt, darunter ein Job-Portal und eine Logistikplattform. Alle haben vor Kurzem ein Börsendebüt in den USA hingelegt. Nun rätseln viele über die Beweggründe. Möglich wäre, dass der Staat Bedenken haben könnte, dass seine Internetkonzerne durch die Börsengänge in den USA sensible Daten weitergeben könnten.

Am Anfang war Alibaba

Die Regulierung der Tech-Branche startete im vergangenen Oktober, als Chinas damals reichster Unternehmer, Jack Ma, vor der Finanzaufsichtsbehörde in Schanghai eine provokante Rede hielt. Darin warf der Gründer des Online-Imperiums Alibaba den traditionellen Banken unter anderem „Pfandleihmentalität“ vor. Wenig später wurde der Börsengang von Mas Fintech-Sparte auf Eis gelegt. Es folgten eine Rekordstrafe sowie Untersuchungen gegen Dutzende weitere Tech-Konzerne.

Nun soll offenbar die Fintech-Branche insgesamt stärker reguliert werden. Das bedeutet unter anderem, dass App-Dienste nicht mehr uneingeschränkt Mikro-Kredite an ihre Nutzer verleihen können, ohne wie traditionelle Banken dafür das finanzielle Risiko zu tragen.

Zudem will China seine mächtigsten Tech-Unternehmen auch wegen ihrer Oligopole beschneiden. Sie hatten zuletzt mit Dumping-Preisen und der Ausbeutung von Arbeitern den Wettbewerb schwer gemacht.

Nicht aufzulösender Widerspruch

Der vielleicht wichtigste Punkt ist die exzessive Datensammlung von Chinas Internetriesen. Oft waren Nutzerdaten auf dem Schwarzmarkt verkauft worden. „Der Staat wird Tech-Imperien niemals erlauben, mehr persönliche Daten zu sammeln, als der chinesische Staat selbst von seinem Volk hat“, heißt es in der Global Times.

Das bleibt ein nicht aufzulösender Widerspruch: Während die Regierung die Konsumenten vor Tech-Unternehmen schützt, schützt niemand das Volk vor der allergrößten Datenkrake: dem chinesischen Staat.

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