: Scherereien für Schering
■ Pillen-Skandal: Verkaufsverbot in Brasilien
São Paulo/Berlin (rtr/AFP) – Die falschen Antibabypillen, die über noch ungeklärte Wege auf dem brasilianischen Markt gelandet waren, machen dem Berliner Pharma-Konzern Schering weiter Ärger. Nachdem das Gesundheitsministerium in Rio de Janeiro bereits am Freitag einen befristeten Verkaufsstopp für alle Schering- Produkte verfügt und ein Bußgeld von 4,7 Millionen Mark verhängt hatte, zieht jetzt der Bundesstaat São Paulo vor Gericht. In einem Zivilverfahren will er gemeinsam mit der brasilianischen Verbraucherschutzorganisation Schadenersatzzahlungen von 1,5 Millionen Mark durchsetzen. Ein Schering- Sprecher erklärte am Wochenende in Berlin, das Unternehmen prüfe, mit welchen Schritten es zumindest gegen das Verkaufsverbot vorgehen könne.
Schering erwirtschaftet in Brasilien unter anderem mit Mitteln gegen Hormonstörungen und Antibabypillen rund 4,5 Prozent seines Gesamtumsatzes von 6,2 Milliarden Mark. 1997 lag der Gewinn bei 52 Millionen Mark. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, daß bis zu 50.000 Packungen des Verhütungsmittels „Microvlar“, die nur Pillen aus Weizenmehl enthielten, statt in der Verbrennungsanlage im Handel gelandet und verkauft worden waren.
Mit den Mehltabletten war eine neue Verpackungsmaschine getestet worden. Wie Schering-Brasilien-Chef Rainer Bitzer zugab, hatte die Firmenleitung bereits im Mai durch einen anonymen Brief Bescheid bekommen. Sie sei jedoch von einem Erpressungsversuch ausgegangen und habe die Öffentlichkeit deswegen nicht informiert. Vorwürfe des Gesundheitsministeriums, daß bei der Abfüllung der Placebos und in den Unterlagen „nicht einmal grundlegenden Sicherheitsstandards“ Genüge getan worden sei, wies Bitzer zurück. Sein Unternehmen sei „Opfer krimineller Manipulationen“ geworden. Und die Regierung in Rio de Janeiro nutze dies nun, um sich für die Wahl im Oktober in Szene zu setzen.
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