Da sitzt eine lange Reihe von Hollywoodstars. Weiße Zähne hinter einem strahlenden Lächeln, gepflegte Haare, ziemlich gut drauf. Und da sitzt einer in einer Latzhose, sie ist blau, genau wie sein Pulli. Er sieht aus wie ein Hausmeister. Die Haare grau, die Mundwinkel zeigen nach unten.
„Bill?“, „Bill?, „Bill“? Reporter mit allen Akzenten dieser Welt rufen seinen Namen, nicht den der anderen. Wir sind auf der Pressekonferenz Wes Andersons neuem Film, „Isle of Dogs“, der die diesjährige Berlinale eröffnet. Der Typ im Blaumann ist Bill Murray. Bill Murray ist der Boss. Nicht nur heißt seine Figur in Andersons Film so, ein Hund im Baseballtrikot, sondern: Bill Murray ist wirklich der Boss.
Er ist einfach nur da. So wie er in seinen Filmen auch meistens einfach nur da ist. Oft so sehr da und gleichzeitig distanziert von der Handlung, dass man ihn durch seine Filmfiguren hindurch zu erkennen glaubt. Man sieht also Bill Murray, wie er in einem Film mitspielt. Ob es das ist, was man von einem Schauspieler erwartet, ist eine andere Frage.
Bertolt Brecht würde es wahrscheinlich gefallen. In „Space Jam“ spielt Murray gleich sich selbst, taucht auf dem Basketballfeld auf und sagt: „Der Produzent ist ein Freund von mir.“ Er durchbricht die vierte Wand, die die Illusion der Filmwelt bewahren soll. Auf der Pressekonferenz ruht er in sich, blickt in die Ferne, denkt, nickt, schließt auch mal für ein Weilchen die Augen. Was macht er da? Meditieren? Zu Beginn hat er ein Lied angestimmt (denn Namen seines Nebenmanns Bob Balaban auf die Melodie von „Barbara Ann“). Die anderen haben natürlich sofort mitgesungen.
Die queeren Filme der Berlinale
Die Berlinale geht los! Vom 15. bis zum 25. Februar schaut die Filmwelt auf Berlin. Und wir schauen wieder auf die queeren Festivalfilme und ihre eindringlichen Geschichten – viele davon stammen in diesem Jahr aus Brasilien. Aber lesen, sehen und klicken Sie doch einfach selbst.
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dpa
„Obscuro Barroco“: Die griechische Regisseurin Evangelia Kranioti folgt in poetischen Bildern ihrer transidenten Erzähler*in Luana Muniz, die als Ikone der queeren Subkultur Brasiliens gilt. Ein Reise durch die pulsierende Welt der Nachtgestalten Rio de Janeiros.
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Evangelia Kranioti
„Je fais où tu me dis“: die Suche nach der eigenen sexuellen Identität – der Schweizer Film von Marie de Maricourt erzählt von Sehnsüchten und dem ersten Aufbegehren. Die 20-jährige Sarah fühlt sich im gutbürgerlichen Haushalt ihrer Eltern eingeengt. Putzfrau Victoria hilft ihr daraus auszubrechen und bringt damit das familiäre Gleichgewicht ins Wanken.
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GoldenEggProduction/Fanny Mazoyer
„Toppen av ingenting“: Jede Party geht einmal zuende – nach einem Leben im Luxus erbt Nojet ein Mietshaus in der Innenstadt von Stockholm. Die 68-jährige kehrt aus dem sonnigen Süden in die Heimat zurück. Eine Frau, die immer noch den wilden Zeiten von früher nachhängt und sich nun neu finden muss, aber nicht unbedingt will.
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Pierre Björk
„Game Girls“: „Hauptstadt der Obdachlosen“ – so nennt man das Viertel Skid Row in L.A. Teri und Tiahna haben gelernt, dort über die Runden zu kommen. Der Alltag des lesbischen Paares spielt zwischen Alkoholsucht, Drogenverkauf und Haft. Ihre Hoffnung lassen sich die zwei dennoch nicht nehmen. Ein Portrait über das Leben am gesellschaftlichen Rand der USA.
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Films de Force Majeure/Blinker Filmproduktion
„Don't Worry, He Won't Get Far on Foot“: Aus der Autobiografie von John Callahan ist nun ein Film geworden. Joaquin Phoenix spielt den 2010 verstorbenen US-Cartoonisten, der nach einem Autounfall mit 21 Jahren querschnittsgelähmt im Rollstuhl saß und die Arme nur noch leicht bewegen konnte. Daher rührte auch der einzigartige Stil seiner Karikaturen.
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2018 Amazon Content Services LLC/Scott Patrick Green
„Bixa Travesty“: Linn will keine Cis-Frau sein, sondern eine Dame mit Penis. Als Transfrau aus der armen Peripherie São Paulos erhebt sie ihre Stimme für die Queers of Colour der Favelas. Ein Angriff auf die heteronormative Geschlechterordnung Brasiliens. Mit viel Elektromusik. Mit bunten Kostümen. Und mit viel Twerking.
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Nubia Abe
„Hojoom“: Den gesamten Film über wird nicht benannt, was die Männer in dem Stadion da eigentlich für einen Sport betreiben. Aber darum geht es auch gar nicht. Eine Leiche wurde gefunden. Nun soll der Tathergang rekonstruiert werden. Ein Reenactment, dass beklemmend und kammerspielartig das Lebensgefühl vieler junger Menschen im Iran wiedergeben soll.
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Abdolreza Nikou
„Tinta Bruta“: Pedro verdient sein Geld in Chatrooms. Als NeonBoy beginnt sein Körper vor der Webcam zu leuchten. Langsam lässt der junge Mann seine Finger erst in Farbtöpfe und danach über seinen nackten Körper wandern. Jenseits der Kamera kämpft er gegen viele Ressentiments. Auch dieser Film kritisiert die zunehmende Homophobie in Brasilien.
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Avante Filmes
„Ondes de choc – Prénom: Mathieu“: Misshandelt und vergewaltigt liegt Mathieu Reymond in einem Schilffeld. Erst nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus kommen die Erinnerungen zurück. Doch das bürgerliche Leben in der Kleinstadt lässt den 17-jährigen damit alleine. Der Schweizer Film zeigt ein Trauma, das auf einer wahren Begebenheit beruht.
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Bande à part Films/Jeanne Lapoirie
„Yours in sisterhood“: Auf ihrer Reise durch die USA lässt Dokumentarfilmerin Irene Lusztig mehrere Frauen vorlesen und kommentieren – und zwar 40 Jahre alte Leserbriefe. Diese stammen aus dem Archiv der liberal-feministischen Zeitschrift „Ms.“. So wird Stück für Stück eine Verbindung zwischen heutiger und früherer Frauenbewegung hergestellt.
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R. Ron Jones
Sonst macht Murray gar nichts, präsent zu sein ist ja ohnehin das Schwierigste. Wenn er eine Frage beantwortet, tut er es ruhig, scheinbar schlecht gelaunt. Er ist Hausmeister und Buddha in einer Person.
Weil im Film Hunde die Hauptcharaktere sind, fragt einer, ob jemand aus dem Team auch einen Hund habe. Und Murray sagt: „Ja, meiner wurde von einem Rudel Kojoten angegriffen“. Und Wes Anderson fragt: „Moment, warst du etwa dabei?“ Und Murray antwortet: „Ja, ich stand daneben und habe nichts getan.“ Er war einfach nur da.
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"Und täglich grüßt das Murmeltier." Ein genialer Film, der das Kunststück vollbringt, daß der Zuschauer während des Films ständig mit sich selbst konfrontiert ist. Der Film zeigt auf den Zuschauer. Der Film macht sich selbst zur Nebensache. Bill Murray als Protagonist und Spiegelbild des Zuschauers. Sogar Eingang in die Umgangssprache hat der Filmtitel gefunden. Das ist bislang nur Casablanca gelungen.
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