Schalke weiter in der Königsklasse: Manuel Neuer bezwingt Porto

Der Schalker Keeper gewinnt fast allein gegen den 22maligen portugiesieschen Meister: Durch Traumparaden in der regulären Spielzeit - und zwei gehaltene Bälle im Elfmeterschießen.

Neuer beendet das Spiel: Der zweite gehaltene Elfer. Bild: dpa

PORTO dpa/taz Zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte hat Schalke 04 den Einzug ins Viertelfinale der Championsleague geschafft. Es war am Ende Torwart Manuel Neuer, der gleich zwei Elfer hielt - und so die Schalker im Elfmeterschießen mit 4:1 zum Erfolg führte. Damit dürfte auch Trainer Mirko Slomka fürs Erste von den Diskussionen um seine Leistung erlöst sein. Bereits während der regulären Spielzeit hatte Manuel Neuer immer wieder mit Paraden geglänzt - und so verhindert, dass Schalke mit mehr als ein Tor in Rückstand geriet.

So ging es schließlich mit 1:0 für Porto (nach 1:0 für Schalke im Hinspiel vor zwei Wochen) in die Verlängerung und schließlich ins Elfmeterschießen. In der Entscheidung vom Punkt meisterte Neuer die Schüsse von Bruno Alves und Lisandro Lopez, während in Rafinha, Ivan Rakitic, Halil Altintop und Jermaine Jones alle Schalker Schützen trafen. Für die Portugiesen, die in der 83. Minute Jorge Fucile wegen Foulspiels durch die Rote Karte verloren, hatte es lange so ausgesehen, als würde man nicht einmal eine Verlängerung erzwingen können. Erst vier Minuten vor Ablauf der regulären 90 Minuten traf Lopez zum 1:0 für die Heimmannschaft.

Weil's so schön war noch mal aus anderer Perspektive... Bild: ap

Nach zuletzt drei Niederlagen in Folge, dürfte Schalke mit diesem Erfolg im Rücken auch in der Liga wieder selbstbewusster spielen. Es war eine konzentrierte, wenn auch (abgesehen vom Keeper) glanzlose Vorstellung der Mannschaft. Doch gut genug, um ohne weitere Trainerdiskussion in die Partie am Samstag gegen Bielefeld gehen zu können.

Ergebnis: 1:4 i.E. (1:0,1:0,0:0)

FC Porto: Helton - Bosingwa (54. González), Pedro Emanuel, Bruno Alves, Fucile - Lucho Gonzalez, Paulo Assuncao, Raul Meireles (98. Cech) - Lisandro, Sektioui (58. Farias), Quaresma

FC Schalke 04: Neuer - Rafinha, Bordon (114. Höwedes), Krstajic, Westermann - Grossmüller (111. Rakitic), Jones, Ernst, Kobiaschwili - Altintop, Kuranyi (79. Asamoah)

Schiedsrichter: Webb (England)

Zuschauer: 45.000

Tor: 1:0 Lisandro (86.)

Elfmeterschießen: 0:1 Rafinha, 1:1 Lucho Gonzalez, 1:2 Rakitic, Bruno Alves gehalten, 1:3 Altintop, Lisandro gehalten, 1:4 Jones

Gelbe Karten: Lucho Gonzalez / Kobiaschwili, Westermann, Jones, Kuranyi

Rote Karten: Fucile (82./grobes Foulspiel) / -

Beste Spieler: Paulo Assuncao, Lisandro, Quaresma / Neuer, Jones

"Wir hatten heute einen Super-Torwart, nicht nur im Elfmeterschießen, sondern auch schon vorher", sagte Slomka strahlend. Auch Schalke-Manager Andreas Müller war erleichtert: "Ich freue mich riesig für die Jungs: Dass wir überhaupt noch im Spiel waren, ist nur Manuel Neuer zu verdanken."

Vier Tage nach dem mutlosen Auftritt beim 0:1 gegen Bayern München hatte Trainer Slomka die zuletzt formschwachen Rakitic und Gerald Asamoah aus der Startelf verbannt und durch Carlos Grossmüller und Altintop ersetzt. So wollte er mehr Akzente für die Offensive setzen. Doch zunächst hatte die Abwehr der Schalker gegen den auf ein schnelles Führungstor drängenden FC Porto Schwerstarbeit zu verreichten. "Wir müssen in den ersten Minuten höllisch aufpassen", hatte Fabian Ernst seine Kollegen gewarnt - und er behielt Recht.

Zwei Blitzreaktionen von Neuer verdankten es die Schalker, dass sie die Anfangsphase ohne Gegentor überstanden. In der 12. Minute warf sich der 21-Jährige entschlossen Lopez entgegen, nur Sekunden später blockerte er mit einem Reflex den Kopfball von Tarik Sektioui.

... und hier hält Neuer den ersten Elfer. Bild: ap

Während der FC Porto immer wieder gefährlich über die Flügel vorstieß, warteten die 3.000 mitgereisten Schalker Fans lange Zeit vergeblich auf die von Slomka angekündigten Nadelstiche in der Offensive. Statt bei den wenigen Kontergelegenheiten den Ball schnell und präzise nach vorne zu tragen, bauten die Schalker langsam auf und leisteten sich immer wieder Abspielfehler. Jermaine Jones, in dessen Rückkehr große Hoffnungen gesetzt worden waren, bekam im Mittelfeld das Heft erst spät in die Hand. Bis auf einen Kopfball von Kevin Kuranyi (42.) nach Freistoßflanke von Levan Kobiaschwili hatten die Gäste vor der Pause in der Offensive nichts zu bieten.

Nach Wiederbeginn erhöhten die Portugiesen den Druck - und Neuer stand gleich wieder im Brennpunkt des Geschehens. Nach dem Kopfball von Sektioui (55.) bewahrte der Schlussmann seine Mannschaft mit einer unglaublichen Fußabwehr vor dem drohenden 0:1. Zehn Minuten später protestierten die Königsblauen vergeblich beim englischen Schiedsrichter Howard Webb, als Portos Torhüter Helton den Ball beim Schuss von Kobiaschwili außerhalb seines Strafraums mit der Hand abwehrte.

In der Schlussphase gelang es den Gästen immer seltener, für die nötige Entlastung zu sorgen, so dass die Hintermannschaft kaum noch Zeit zum Verschnaufen erhielt. Neuer erwies sich für die Angreifer der Portugiesen, die fast ein Jahr kein Heimspiel mehr verloren hatten, bis vier Minuten vor Schluss als unüberwindliches Bollwerk, dann sorgte Lopez für die Verlängerung. Damit hat der FC Porto rein technisch zwar erneut nicht verloren - genutzt hat es dem 22maligen portugiesischen Meister allerdings nichts.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben