Schäuble will Kauder aus CDU werfen

Bruder des Fraktionschefs steht allein

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble fordert den Parteiausschluss Siegfried Kauders. Der Grund: Der Bruder von Volker Kauder tritt gegen einen Parteikollegen an.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Siegfried (l.) und Volker Kauder im Bundestagswahlkampf 2002. Bild: dpa

STUTTGART/OFFENBURG dpa | Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht für seinen Abgeordnetenkollegen Siegfried Kauder in der CDU keine Zukunft mehr. Ein Parteiausschluss des jüngeren Bruders von Unionsfraktions-Chef Volker Kauder sei ohne Alternative, sagte Schäuble in Offenburg. „Wir müssen ihn ausschließen. Die Satzungslage ist vollkommen eindeutig. Aber es ist traurig, und das am meisten für ihn selbst.“

Die CDU wirft Kauder „parteischädigendes Verhalten“ vor, weil er gegen den offiziellen CDU-Bewerber Thorsten Frei kandidiert. Sollte sich eine absolute Mehrheit für einen Parteiausschluss aussprechen, geht der Antrag zum Landesparteigericht. Dort wird über den Ausschluss entschieden. Kauder ist seit 2002 CDU-Bundestagsabgeordneter für den Schwarzwald-Baar-Kreis in Baden-Württemberg. Die Partei hatte Kauder nicht mehr nominiert und sich stattdessen für Frei entschieden.

Schäuble äußerte Unverständnis über Kauders Verhalten: „Ich kenne Siegfried Kauder seit Jahrzehnten als prima Kollegen in der CDU und im Bundestag. Ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist und in ihm.“ Schäuble tritt in Kauders Nachbarwahlkreis an und steht zudem auf Platz Eins der Landesliste. „Was er jetzt macht, schadet ihm unendlich selbst und lässt seine Freunde fassungslos den Kopf schütteln.“ Kauders Bilanz werde dadurch diskreditiert.

„Ich kann nicht nachvollziehen, warum er nicht akzeptieren kann, dass seine Partei ihn nicht mehr aufgestellt hat“, sagte Schäuble. „Aber jeder Versuch, auf ihn einzureden, ist völlig hoffnungslos. Und so verrennt er sich.“

CDU: Kauder wird uns nicht viele Stimmen kosten

CDU-Landeschef Thomas Strobl rechnet nicht damit, dass die Affäre um Siegfried Kauder, der bislang Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestags der CDU ist, viele Stimmen kostet. Er sagte der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart: „Thorsten Frei ist als Oberbürgermeister von Donaueschingen eine bekannte Persönlichkeit. Seine fachliche Qualifikation steht außer Frage.“ Er sei sich sicher, dass Frei das Direktmandat mit deutlicher Mehrheit holen werde.

Volker Kauder hatte das Verhalten seines jüngeren Bruders bereits Mitte Juli kritisiert. „Unabhängig von Familienzugehörigkeiten muss ich klar sagen: Das geht nicht“, sagte er.

Siegfried Kauder warf seiner Partei nach der Bekanntgabe der Entscheidung für Frei im November 2012 vor, die Nominierung sei auf undemokratischem Wege zustande gekommen. So sei zum Beispiel bei der Nominierungsveranstaltung eine Wahlurne nicht ausgezählt worden, sagte er dem Fernsehsender n-tv. „Es war im Endeffekt ein kalter Putsch.“

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben