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SanssouciVorschlag

■ Delfeayo Marsalis Quintet im Quasimodo

Weihnachten bei Marsalis: Vater Ellis setzt sich ans Piano, Wynton holt die Trompete aus dem Kasten, Branford schwankt noch, ob für „Jingle Bells“ wohl Tenor- oder Sopransaxophon besser geeignet sei, während Jason, der jüngste, den Weihnachtsbaum beiseite schiebt, um sein Schlagzeug aufzubauen – Christmas in New Orleans. „Halt!“ ruft Delfeayo Marsalis, die Posaune in der Hand, „für dieses Jahr hab' ich mir was Besonderes ausgedacht“, und als die ersten Takte von „Pontius Pilatus' Decision“ erklingen, weiß die Familie, daß es nun auch Delfeayo geschafft hat, sich auf die internationale Jazz-Bühne zu komponieren, auf der die Brüder Wynton und Branford Marsalis seit Jahren riesige Erfolge feiern. So könnte es gewesen sein.

Delfeayo Marsalis hat sein Talent zur Feinabstimmung und zum Arrangement, das sich bisher auf den Platten der Familie in den Worten „Produced by Delfeayo Marsalis“ im Kleingedruckten versteckte, auf seiner im vergangenen Jahr veröffentlichten Debüt-LP voll zur Geltung kommen lassen. Er ist Perfektionist, weiß genau, welchen Klang er wann will und wie er das schafft. Nicht umsonst wechselt die Besetzung in jedem Stück der Platte.

Lange Zeit wollte er nicht als Instrumentalist an die Öffentlichkeit – nicht weil er zu schlecht war, sondern weil er etwas anderes machen wollte als die berühmten Brüder. Und doch ging er fast den gleichen Weg: auch er fand seinen Einstieg bei Art Blakey's Jazz Messengers, jenem ausdauerndsten Talentschuppen der Jazzgeschichte.

Dennoch: Auch auf der „Pontius Pilatus“-Platte ist es nicht zuallererst Delfeayo als Posaunist, der einen aufhorchen läßt. Sicher ist die Jazz-Welt um einen guten Posaunisten reicher. Vor allem aber setzt er den satten Klang seiner Posaune gekonnt in Beziehung zum Sopransaxophon von Bruder Branford, arrangiert präzise und schafft kompositorisch spannende Grundlagen für die Soli von Wynton. Überhaupt verdient die Komposition Beachtung: Eine Einstiegs-Platte ausschließlich mit eigenen Stücken, noch dazu inhaltlich konzeptioniert – das kommt nicht oft vor. Daß dabei praktisch die ganze Familie mitwirkt, Wynton an der Trompete, Branford an den Saxes und der 14jährige Jason Marsalis am Schlagzeug, ist wohl als Starthilfe zu betrachten.

Im Delfeayo Marsalis Quintet, das heute abend erstmals in Berlin auftritt, sind mit Saxophonist Mark Turner und Pianist Victor „Red“ Atkins zwei Musiker dabei, die auch auf der Debüt-LP zu hören sind. Lediglich Gregg Williams am Baß und Martin Butler am Schlagzeug sind neu hinzugekommen. Bernd Pickert

Heute abend um 22.00 Uhr im Quasimodo

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