Sanssouci: Nachschlag
■ Heimatklänge" in der Galerie Am Scheunenviertel
Udo Dettmann: Nationale Symbole, nationale Identität.
Installation mit Fundstücken 1992/93. Foto: Katalog
Die Eröffnung des Hauses der Geschichte letzte Woche in Bonn bezeugt es ein weiteres Mal: Nachdem die Zukunft gelaufen ist, geht man jetzt auf Suche nach Spuren einer Vergangenheit, die doch erst kürzlich war. Statt Erinnerung, memoria, werden Memorabilia gefunden, von Adenauers Dienstmercedes bis Kohls Original-Skipullover aus dem Kaukasus. Das stellt sich auch leichter aus. „Heimatklänge“ von Udo Dettmann in der Galerie Am Scheunenviertel könnte als ironische Paraphrase zum Großereignis gelesen werden. „Heimatklänge“ sind allerdings anonymeren Fundstücken gewidmet: „Roland“, eine Schießscheibe made in GDR, darf als abstrahierte Körperform gedeutet werden. Rostig, durchlöchert, wurde sie im oberen Drittel mit einer orangeroten Form versehen, die wie der Umriß zweier nebeneinandergestellter Granathülsen aussieht. Der Schlauch einer Luftpumpe führt zu einem weißen Trichter am unteren Ende der Schießscheibe, der als Fußballhupe bezeichnet ist. Tuten tut das Ding aber nicht, die Luft strömt einfach durch. Eine Aufführung des „Rolandslied“, eine „undramatische Inszenierung für Langeweile“ in vier Sätzen mit der Gruppe „Schifkof“, der der Künstler angehört, rundete einmalig die „optophone Bildinstallation“ ab. In das raumfüllende Environment „Nationale Symbole, nationale Identität“, ein 50er-Jahre-Ambiente mit Röhrenradio, Sessel, Läufer, Tischchen, Stehlampe und Blumenvase, ragt ein rotgrundierter achteckiger Pappkörper hinein. Er scheint die ausgestülpte Entsprechung eines „normalen“ Tafelbilds zu sein, das ihm gegenüber hängt. Die Farbfläche wird zum Farbkörper, dessen räumliche Konkretheit den vagen Bildformen negativ zu entsprechen scheint. Von den Fundstücken nimmt der bekannte bunte Fisch, als Windfahne dienend, diese Ausdehnung der Malerei in den Raum ironisch auf. Den Wind macht ein Fön, und unter all den Geräuschen, die die Heimatklänge liefern, ist sein Brummen einfach nur als superb zu bezeichnen. Unschlagbar funktional, ebenso banal, unschlagbar nervend, die Metapher für warme Luft: „Der Fisch lacht.“ Brigitte Werneburg
Bis 1.7., Mo.-Fr. 14-18, Sa. 12-17 Uhr, Weinmeisterstr. 8, Mitte.
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