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■ „Schrott-Kreise – Plakat-Riß“: Fotografien von Jende

Riß in der Massenikone Abbildungen: Plakat

Beigefarbene Wände, Linoleumboden, Neonlampen – die kahle Sachlichkeit jeder Behörde hat einen enormen Ernüchterungseffekt. Auch das Amt für Stadtentwicklung und Umweltschutz empfängt den Bürger in nackter Ungemütlichkeit. Fährt man mit dem Fahrstuhl aber in höhere Etagen, wo die feineren Beamten sitzen, die sich nur selten noch persönlich mit dem Bürger plagen müssen, kann man auf dunklem Velours schreiten, das Beige der Wände gleitet sanft ins Dunkelgelbe, und in diesem Amt im zweiten Stock ist eine Kunstausstellung aufgebaut.

Gerhard Jende stellt hier seine Fotografien aus. Alltagsfotografien von Bildern, wie sie jeder kennt, jeder täglich sieht, aber nie beachtet. Sein Gegenstand sind Plakate, die zerrissen wurden, vom Regen aufgeweicht und wellig, oder einfach überklebt wurden, von neueren Botschaften, wichtigeren Bildern. Manchmal ist es nur ein winzig kleiner Riß, der die vormals vollständige Harmonie eines Plakates zerstört, nur ein kleiner Blick hinter die Fassade zerstört die Illusion. Diesen Effekt stellt Jende glänzend dar, die Ernüchterung und Entlarvung durch winzig kleine Störungen, doch entsteht dabei etwas Neues?

Die großflächigen Zerreißungen, die der Künstler am liebsten anhand von Marlene-Dietrich-Plakaten als reproduzierbarer Massenikone abbildet, wirken oft etwas bemüht im Willen, etwas Neues, eine Poesie im Zusammenspiel unterschiedlicher Materialien und Motive entstehen zu lassen. Collagen des Zufalls, die oft konstruiert scheinen: vor allem wenn er denselben Gegenstand in immer neuen Varianten vorstellt und auch mit fototechnischer Konstruktion arbeitet. In diesem Willen um neues Formenzusammenspiel wird die Ausstellung von einer Darstellung von Alltagsbildern zu einer Kunstausstellung. Volker Weidermann

„Schrott-Kreise – Plakat-Riß“, noch bis 7.9., Mo.–Fr., 9–17 Uhr, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz,

Lindenstraße 20–25, Kreuzberg.

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