Sanssouci: Vorschlag
■ Wege zur Kunst oder: Was gegen Weltschmerz et cetera
Wege zur Kunst gibt es viele. Ob am Rockzipfel der Bezugsperson, ob früher oder später. Ob als „Professionelle“ oder als LaiIn. Wer hier gelandet ist, weiß, es ist für immer. Das ging so: Mutti machte in Kunst, Uni und so. Ich machte in Kinderladen, Singegruppe. – Schick dein Kind auf eine Schule besonderer künstlerischer Prägung. Wenn es diesen Härtetest aus Pathoslastigkeit, Holzschalenbastelei, Wachsmalkreiden-Idyll, Wasserfarben-Mystik und verquaster Gläubigkeit übersteht, ist es immun gegen Welterklärungssysteme und andere Ammenmärchen aus der Heile-Welt-Kiste. In den Siebzigern kostete der Kinderfahrschein der BVG 35 Pfennig, und nach Kindergarten oder Schule fuhr ich, antiautoritär auf Selbständigkeit getrimmt, in die PH-Mensa, um Mutti abzuholen. „Machen wir heute was Schönes, Mami?“ Das war noch vor der Zeit des elterlichen Vornamens, bis es dann hieß: „Du kannst mich auch Barbara nennen.“ My kid, my buddy. Jedenfalls fuhren wir oft an einen Ort, der „Akimi“ hieß, oder ins Bethanien. Damals war ich der kühnen Meinung, alle Bilder und Skulpturen wären von den KünstlerInnen direkt für mich gemacht.
Den Zoologischen Garten fand ich fad; bis auf die stinkenden Bestien im Raubtierhaus ließ mich das kalt. Den Zirkus mochte ich auch nicht besonders, der Besuch da machte mich jedesmal traurig. Aber diese Welt, in der es so still war, gedämpft gemurmelt wurde, war für mich eine Attraktion. Stundenlang ging ich zwischen den Bildern umher, manchmal wurde ich hochgehoben, um besser sehen zu können. Ich neigte zum extremen Geschmacksurteil, aber eigentlich mochte ich ziemlich viel. Sparten wie abstrakt, realistisch oder gar surreal waren mir egal.
Noch heute hat das Streunen in den Gefilden der Kunst unleugbar seine Momente. Nimm einen miesen Tag X und begib dich in die kunstsinnige Höhenluft gewisser Galerien in Uptown Charlottenburg. Du gerätst in eine Michaux-Ausstellung, du vertiefst dich mit deiner Begleitung oder der Galeristin in die Kryptik der Bilder. Du vergißt Weltschmerz, Heartbreak et cetera.
Und sonst: Ich halte es am liebsten mit einem Satz eines Wiener Kunstkritikers: „Ich bin privat da. Der reine Wissensdurst des Bildungsbürgers. Wissen ist Macht“ (Jan Tabor, Klagelied eines Kunstkritikers). Gudrun Holz
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen