Sanssouci: Vorschlag
■ Die „Poags“ kommen: Andy Laster's Hydra im A-Trane
Vor gut zwei Monaten eröffnete die New Yorker Knitting Factory ihr neues, geräumiges Domizil in der Leonard Street mit einem Festival, bei dem sich von John Lurie über Henry Threadgill, Steve Coleman, David Holland bis zu Bill Frisell und Dave Tronzo so ziemlich alle Repräsentanten der aktuellen poag jazz front zeigten. Poag ist nicht der Fachterminus für eine jüngst entdeckte Musikerkrankheit, sondern schlicht das Kürzel für post-avant-garde. Zum unbestrittenen Höhepunkt jenes poag jazz front-Festivals nun wurde ausgerechnet der zweitägige „They Might Be Giants“-Gig des Art Ensemble of Chicago gekürt, das bereits vor 25 Jahren schon Avantgarde-Geschichte auf Platten dokumentierte. Der Berliner Februar bietet gleich vier Gelegenheiten, die poags bei der Arbeit zu sehen.
Die avant-poags vom Art Ensemble sind am 11. Februar im Franz zu sehen. Zu den poags frischeren Datums zählen Leute wie Andy Laster, Herb Robertson, Tom Rainey und Drew Gress, die heute im A-Trane ihre „What Is Jazz?“-Band Hydra und ihre erste CD „Hydre“ präsentieren. Rhythmisch kompliziert und langsam zumeist ziehen sie ihre Improvisationen in die Länge, und da die Köpfe ja bekanntlich gleich doppelt nachwachsen – das ist der Trick – wird's halt auch (fast) nie langweilig. Was einen hält, ist vor allem die Spannung, wie sich die musikalische Hydra-Schwermut schließlich auflösen wird.
Der Ort, an dem das stattfindet, das A-Trane, hat sich vorgenommen, dieses Jahr kräftig an Profil zuzulegen. Der Schlüssel zum Donnerstags-Publikum heißt deshalb fortan: zeitgenössischer Jazz. Und nächsten Donnerstag geht's dann gleich weiter mit der Profilierung, dazu spielt dann auf die Band von Lindsay Horner, einer der eher lyrisch orientierten Baßmänner der poag- Szene.
Vormerken können Sie sich jetzt auch schon mal den Termin für das Finale: für den 26. Februar hat das Quasimodo die „Weather Clear, Track Fast“-Band von Bobby Previte programmiert, in der Andy Laster und Lindsay Horner dann als sidemen mitmachen. Christian Broecking
Heute, 22 Uhr, A-Trane, Bleibtreustraße 1, Charlottenburg
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