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„Sagt uns einfach, was ihr braucht“

Thomas Salter,Redakteur taz1, Jahrgang 1982:

Eigentlich sehe ich als weißer cis-hetero taz-Redakteur meine primäre feministische Aufgabe im Redaktionsalltag darin, bei Konferenzen die Klappe zu halten, Spülmaschine ein- und auszuräumen und mich nicht mit Texten in den Vordergrund zu drängeln. Die Anweisung meiner Chefin, neben der Seitenproduktion einen Kurztext zum Flinta*-Streik beizusteuern, bringt mich also in eine paradoxe Situation. Ich muss im Namen des Feminismus die Spülmaschine mal voll und dreckig lassen, damit ich stattdessen als Mann meine Sicht auf diese feministische Aktion in die Welt raustrompeten kann. Also gut, Manspreadingposition einnehmen, Ellbogen ausbreiten, los.

Als Rosa-Luxemburg-Fan frage ich mich zwar ein bisschen, auf wen der Entzug der Arbeitskraft im Fall der taz Druck ausüben soll. Chefinnenredaktion? Genossenschaft? taz-Leser*innen? Zudem frage ich mich in Zeiten von Giorgia Meloni, Alice Weidel und Marine Le Pen, ob wir nicht mit dem Patriarchat vielleicht auch den Kapitalismus überwinden könnten, der ja grundsätzlich Ausbeutung und Differenzen zwischen Menschen verschärft und ausnutzt?

Aber dann denke ich an die festgefahrenen Geschlechterrollen selbst in der taz, die auch mir auf den Sack gehen. Und noch mehr an den Sexismus, den Flinta* auch in meinem persönlichen Umfeld tagtäglich erleben. Und wie wenig denen marxistisches Mansplaining bringt. Und beende diesen Text deshalb – bevor ich wieder die Klappe halte – mit einer Solidaritätsbekundung: Liebe Flinta*-Kolleginnen, Ihr seid unersetzbar, ich wünsche euch einen ermächtigenden Tag! Und sagt uns einfach, was ihr braucht.

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