: SS-Männer sind frei
■ Bewährung für Tod von KZ-Häftling
Duisburg (dpa/taz) – Mit einem Freispruch für den ehemaligen SS- Angehörigen Karl Bruno Blach (73) sowie einer zweijährigen Bewährungsstrafe für den Mitangeklagten Dominik Gleba (71) ging gestern vor dem Duisburger Landgericht der Prozeß um den sogenannten „Todesmarsch nach Mauthausen“ zu Ende.
Die Anklage hatte den beiden früheren SS-Rottenführern vorgeworfen, im April 1945 bei der Verlegung von 2.500 Häftlingen vom Arbeitslager Wiener-Neudorf ins Konzentrationslager Mauthausen fünf Häftlinge erschossen zu haben.
Nach mehr als zwei Jahren Prozeßdauer kam die 9. Große Strafkammer am 102. Prozeßtag zu dem Ergebnis, daß Gleba nur die Erschießung eines Häftlings nachzuweisen war. Wegen Beihilfe zum Mord verhängte die Kammer eine zweijährige Bewährungsstrafe. Bei Karl Bruno Blach erkannte das Gericht mangels erwiesener Schuld auf Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hatte für beide lebenslängliche Haftstrafen beantragt.
Blach fiel unmittelbar nach Urteilsverkündung seinem Verteidiger um den Hals und sank danach minutenlang weinend auf der Anklagebank zusammen. Blach war 1956 in die USA emigriert und von dort 1990 den deutschen Behörden überstellt worden. Die Mordvorwürfe hatte er bei Prozeßbeginn zurückgewiesen.
Gleba hatte dagegen bereits 1947 als Zeuge vor einem US-Millitärgericht zugegeben, einen Häftling auf Befehl und aus Angst vor Repressalien erschossen zu haben. Einem Prozeß hatte er sich damals durch Flucht entzogen. Die Verurteilung des 71jährigen stützte die Kammer jetzt im wesentlichen auf die Protokolle der US-Behörden.
Die Staatsanwaltschaft will möglicherweise in die Revision gehen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen