piwik no script img

SEZ übt weiter Freischwimmen

■ Nach der gescheiterten Privatisierung des Sport- und Erholungszentrums setzt die Belegschaft auf eigenes Konzept

Die Privatisierung des Friedrichshainer Sport- und Erholungszentrums (SEZ) ist vom Tisch. Zumindest bis zu den Wahlen. Es habe sich, so Staatssekretär Günter Bock, keine ausreichende parlamentarische Mehrheit abgezeichnet. Konkret die SPD wollte sich mit der von Sportsenator Jürgen Klemann vorgeschlagenen Übernahme des SEZ durch den Betreiber des „blub“, Dr. Harald Frisch, nicht anfreunden.

Die Belegschaft des SEZ nahm die ausgesetzte Privatisierung, so der stellvertretende Personalratsvorsitzende Günter Fasel, unterdessen mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis. Mit dem Rückzieher des Senats seien die Chancen für andere Weiterführungskonzepte gestiegen. Bereits im Vorjahr hatte sich der Personalrat für die Gründung einer landeseigenen GmbH ausgesprochen.

Selbst die Fortführung des SEZ nach dem Modell der Stadt Dortmund, wo ein solches Haus als sogenannter Regiebetrieb des Landes eigenverantwortlich mit entsprechenden Mitteln wirtschaften könne, hält der Personalratsvertreter für möglich. „Die derzeit noch etwa 240 Beschäftigten hier sind jedenfalls entschlossen, neue Wege zu gehen.“

Aus eigener Kraft habe man es geschafft, die Summe der Senatsmittel, die in das SEZ gesteckt wurden, von 13,7 Millionen Mark 1993 auf 12,3 Millionen Mark im Jahr 1994 zu senken. „Es gab höhere Einnahmen im Schwimmbereich und in der Gastronomie.“ Die Personalkosten konnten gesenkt werden, da sich 50 Mitarbeiter mit einem „goldenen Handschlag“ verabschiedeten. Weitere Einsparungen hält Fasel für möglich und notwendig. Auch die Weiterführung als landeseigene GmbH bedeute, die Belegschaft weiter zu reduzieren, was, wie der Personalratssprecher versichert, sozialverträglich möglich wäre. „Das klingt alles erschreckend“, so Günter Fasel, „ist es aber letztlich nicht.“ Ein privater Investor wäre hier ganz anders vorgegangen, ist Fasel überzeugt.

Senator Klemann, bestätigt Fasel, habe unterdessen über eine Arbeitsgruppe ein „Gutachten über Möglichkeiten der Einsparung unter der Beibehaltung der derzeit aktuellen Organisationsstrukturen“ auf den Weg gebracht. Ergebnisse, so Senatspressesprecher Andreas Moegelin, zu denen Stellung genommen werden könne, lägen derzeit aber noch nicht vor.

Für die Betroffenen ist es dennoch ein erstes Zeichen des Entgegenkommens durch den Senat. „Natürlich sind nach wie vor 20 bis 25 Millionen Mark für Investitionen im SEZ nach dieser langen Betriebszeit und bei einer Frequentierung von bis zu drei Millionen Besuchern jährlich notwendig.“ Vier Millionen kosteten allein die für August geplanten notwendigsten Werterhaltungsmaßnahmen. Daß diese Mittel jedoch nicht im Haushalt des Landes enthalten seien, hält Personalrat Fasel für Augenwischerei. „Es waren etliche Millionen für die Übernahme durch die Dr. Frisch Consult vorgesehen. Das lief sicher unter einem anderen Haushaltstitel, aber das Geld ist da. Ich denke nur an die enormen Summen, die für Abfindungen gezahlt werden sollten.“ Kathi Seefeld

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen