SC Freiburg-Managerin über Pokalfinale

„Ich bin nicht so pessimistisch“

Der SC Freiburg ist im Endspiel in Köln. Managerin Bauer erklärt, wieso der Klub auf Jugendarbeit setzt und was daran nervt.

Frau mit erhobenen Armen

Unermüdlich im Einsatz: Managerin Birgit Bauer muss beim SC Freiburg stets neu aufbauen Foto: imago/foto2press

taz: Frau Bauer, wie groß sind die Chancen, dass der VfL Wolfsburg am 1. Mai nicht zum fünften Mal in Folge Pokalsieger wird?

Birgit Bauer: Jeder geht von einem Wolfsburger Sieg aus. Aber ich bin nicht so pessimistisch, was unsere Chancen angeht. Wir haben gegen Wolfsburg in der Vergangenheit nicht schlecht ausgesehen und nicht immer verloren.

In der Bundesliga kommen im Schnitt 1.000 Zuschauer ins Stadion. Wissen sie wie viele Anhänger das Team nach Köln begleiten?

Über den Verein wurden schon knapp 1.000 Karten bestellt. Und da kommen noch ein paar mehr dazu, die sich über andere Wege Tickets besorgen. Für uns ist das absoluter Rekord bei einem Auswärtsspiel und es hat auch noch kein Team von uns vor so einer großen Kulisse gespielt. Vermutlich werden 15.000 Zuschauer oder mehr da sein.

Ins Kölner Stadion passen mehr als dreimal so viel. Hat sich der Standort fürs Frauenfinale, der sein zehnjähriges Jubiläum feiert, bewährt?

Ich bin da etwas zwiegespalten. Köln ist eine offene, coole Stadt, wo man sich richtig wohl fühlen kann. Und mir ist auch der 1. FC Köln sympathisch. Aber ein kleineres, engeres Stadion in Köln oder in der Nähe, würde mit dieser Zuschauerzahl für eine bessere Stimmung sorgen. Dass wir aber nicht mehr im Vorprogramm des Männer-Finals stehen, hat sich in jedem Fall bewährt. Die Zuschauer kommen nur wegen uns. Das ist eine coole Sache.

Birgit Bauer ist 54 Jahre alt und arbeitet bereits seit 29 Jahren als Managerin des SC Freiburg.

Sie verlieren mit Giulia Gwinn und Jens Scheuer im Sommer wieder zwei Kräfte an den FC Bayern. Sehen Sie perspektivisch eine Chance, die Lücke zu Bayern München und dem VfL Wolfsburg zu schließen?

Wir müssen immer für den FC Bayern ausbilden, das nervt schon ein wenig. Wir werden dennoch wieder ein gutes Team nächste Saison haben. Ich freue mich schon darauf.

Aber allein mit guter Jugendarbeit kommen sie den Bayern nicht näher.

Das ist nicht möglich. Als Bayern München gesehen hat, dass wir ihnen nahe kommen, haben sie das gemacht, was man auch von den Männern kennt: Sie haben die Besten von der Konkurrenz geholt. Ich glaube nicht, dass man die Lücke schließen kann, weil der finanzielle Vorsprung von Bayern München und dem VfL Wolfsburg zu groß ist.

Wie kann man den Vorsprung in Zahlen fassen? Wie viel geben die beiden Spitzenklubs mehr aus? Das Doppelte?

Vielleicht sogar ein bisschen mehr.

Wie bei den Männern des SC Freiburg hat die Jugendausbildung auch bei Ihnen eine große Bedeutung. Wie eng ist denn die Zusammenarbeit?

Die Infrastruktur ist getrennt. Wir haben uns eingemietet beim SV Blau-Weiß Wiehre, einem Verein in der Stadt. Unser Heimspielstadion teilen wir uns mit dem männlichen Regionalligateam und der A-Jugend. Ansonsten haben wir nur die Buchhaltung gemeinsam.

Sie könnten also eigentlich viel mehr von der Männerabteilung profitieren.

Wenn wir ein gemeinsames Gelände hätten, das groß genug ist, ja.

Ändert sich das mit dem Stadionneubau fürs Männerprofiteam?

Wenn wir in das alte Stadion der Männer ziehen könnten, wäre das toll. Aber ob das klappt, weiß ich nicht. Das muss erst noch die Stadt genehmigen.

Zufrieden mit Unterstützung der Männerabteilung oder wünschen sich sich da mehr Hilfe?

Beides. Stillstand ist wie Rückstand, man darf sich mit dem gegenwärtigen Stand nie zufrieden geben. Eine Verbesserung der Trainingssituation steht jetzt für mich im Vordergrund. Das wäre eine Aufwertung des Frauenfußballs in Freiburg.

In Spanien und England ist im Frauenfußball gerade viel in Bewegung. Ist die Bundesliga dabei, seine Vormachtstellung zu verlieren?

Wir müssen etwas aufpassen, dass das nicht passiert. In anderen Ligen wird mehr Geld in die Hand genommen. In England hat man einen Ligasponsor, der 12 Millionen in drei Jahren zahlt. Vergleichbares ist dem DFB nicht gelungen.

Macht sich das für Sie schon bemerkbar? Bekommen Spielerinnen von ihnen Angebote aus dem Ausland?

Für mich ist ja München auch Ausland. Es gibt schon Spielerinnen, die sagen, ich hatte auch Angebote aus dem Ausland, habe mich aber für München entschieden. Aber ob das stimmt, weiß ich doch nicht. Für mich ist nur schlimm, dass sie weg sind.

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