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Rumänien-Solidarität mit Holzhammer

■ Grüne Kunstauktion ohne grüne Beteiligung: 1200 Mark für Hermannstadt

„155 zum ersten, 155 zum zweiten, sehe ich da 160, Sie haben doch 5 Mark dabei, na also, 160 zum ersten...“ Rums. „160 zum zweiten“. Rums. „Uuuuund 160 zuuuum dritten.“

15 Jahre lang hat Senator Horst Werner Franke - notfalls mit dem Hammer und oft in vollen Sälen - Bremer Kulturpolitik gemacht. Am Freitag abend griff erstmals der Privatier Horst Werner Franke vor eher dünn besetzten Stuhlreihen zum Hämmerchen. Dafür war der Zweck über jeden parteipolitischen Zweifel erhaben: Mit höchst publikumswirksamen Holzhammermethoden half Franke in der Villa Ichon der Spendenfreudigkeit von zwei Dutzend Bremer BieterInnen zugunsten der stark zerstörten rumänischen Stadt Sibiu (ehemals Hermannstadt) nach. Nach zweistündiger ehrenamtlicher Auktionsarbeit des Senators a.D. und ca. 1.000 Hammerschlägen hatten 240 Fünfmarkstücke und acht großformatige Fotos die Besitzerin gewechselt. Die Bilder kommen an Bremer Wohnzimmerwände, der gesamte Erlös nach Rumänien.

Damit die Verhältnisses nicht so bleiben: Von rechts Lebendiges. Ein kleiner Junge, Pudelmütze, großkariertes Mäntelchen, weiche Konturen eines Kindergesichts, des Stoffs, altmodische Schnürstiefel, unscharf, sich bewegend, Bewegung auch ins Bild bringend. Dahinter starre Geometrie der Macht. Düster, rechtwinklig, Bücher im Schaufenster angetreten. 40 verschiedene vielleicht, in denen überall das gleiche steht und die alle vom gleichen Verfasser stammen. Nicolae Ceausescu. Sowie man in einen rumänischen Buchladen hineinsah, sah der Diktatator - technisch vervielfacht zurück. Der kleine Junge hält den Blick starr in die schaufensterabgewandte Seite der Erde.

Das Bild - zusammen mit zwei Dutzend weiteren des Bremer Fotografen Wolfgang Weiss - zu versteigern, war übrigens eine Idee der Grünen und des grün-nahen Bremer Bildungswerks. Im Namen ihrer Fraktion hatte die Bürgerschaftsabgeordnete Helga Trüpel sämtliche Bürgerschaftsabgeordnete eingeladen und 120 weitere persönliche Einladungsschreiben verschickt. Allerdings: Ohne frei-und sozialdemokratische Unterstützung hätten die Grünen mutmaßlich nicht ein einziges Foto losgeschlagen. Nicht nur der Auktionator war Sozialdemokrat. Auch im Publikum boten der SPD-Unterbezirksvorsitzende Armin Stolle und der SPD -Abgeordnete Rudolf Monnerjahn kräftig mit. Gleich mit mehrenen Bildern ging auch die Familie der Bremer FDP -Abgeordneten Annegret Pautzke nach Hause. Nur die Grünen Abgeordneten selbst hatten an diesem Abend wichtigeres als ihre eigene Rumänien-Solidaritätsaktion vor: Kurzzeitig gesehen und mit 20 Mark dabei war allein der ehemalige Vorstandssprecher Lothar Probst.

K.S.

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