■ Rosi Rolands Bremer Geschichten: Überstunden-Zulagen für die gute Sache
Am 1. Mai ist eine Bremer Tradition gebrochen worden: Im Verlag der Bremer Tageszeitungen-AG (Bretag) wurde gearbeitet. Das war nicht Pflicht, sondern Freiwillige waren gekommen, den Kurier am Sonntag für den 2. Mai zu produzieren.
Das Ereignis darf allerdings nicht als Vorbote einer konservativen Revolution beim Weser Kurier gewertet werden. Der Vorstand der Bretag mußte dem Betriebsrat schriftlich versichern, daß es sich diesmal um eine einmalige Ausnahme handete und daß es auch der totale Ausnahmefall bleiben sollte und es keineswegs beabsichtigt sei, nächstes Jahr wieder zu arbeiten.
Die besondere Begründung war politisch und zugleich geschäftlich: Mit dem kostenlosen Abdruck einer ganzseitigen Anzeige hatte der Weser Kurier -Verlag sich engagiert in der Auseinandersetzung um die NPD-Demonstration. Ein arbeitsfreier 1. Mai, wie es bei der Bretag Tradition ist, hätte eine aktuelle Berichterstattung über mögliche Ausschreitungen oder brisante Zusammenstöße unmöglich gemacht.
Allerdings ging es nicht allein um die Berichterstattung, die hätte ja auch am Montag danach stattfinden können – wenn nicht am Sonntag das Anzeigenblatt Weser Report, als dessen Chefredakteur der frühere Ressortleiter beim Weser Kurier, Axel Schuller, abgeworben worden war, erschienen wäre. Durch die Arbeit am Tag der Arbeit sollte also verhindert werden, daß Axel Schullers Anzeigenblatt allein am Sonntag das Feld der Berichterstattung über die NPD-Demonstration überlassen blieb.
Nur nach einigem Zögern stimmte der gewerkschaftlich und traditionsbewußte Betriebsrat der Bretag der einmaligen Ausnahme zu. Zustimmungspflichtig war die Arbeit, weil es sich um „Überstunden“ handelte. Was für glückliche Vermengung von einer guten Sache mit kräftigen Überstunden-Zulagen, staunt neidisch
Ihre Rosi Roland
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