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■ Mit dem Pharma-Weltmarkt auf du und duRoche holt auf

Berlin (taz) – Der Baseler Roche Konzern ist auf dem Weg an die Spitze – zumindest was die Welt der Pillendreher angeht. Die Pharma-Firma will in den kommenden Tagen für 5,3 Milliarden Dollar (9 Milliarden Mark) die US-Firma Syntex erwerben. Roche würde damit von einem der bestverdienenden Pharmakonzerne auch zu einem der größten: Die Baseler (Umsatz 1993 etwa 16 Milliarden Mark) wären dann Nummer vier auf dem Weltmarkt.

Syntex hat im letzten Jahr 2,1 Milliarden Dollar umgesetzt und 287 Millionen Dollar Gewinn gemacht. Die Firma verdiente in der Vergangenheit vor allem an der Herstellung von Rheuma- und Schmerzmitteln. Allein das Syntex-Schmerzmittel Naprosyn brachte bis zu einer Milliarde Dollar Umsatz pro Jahr. Doch die Patente für Naprosyn sind 1993 ausgelaufen, die Gewinne brachen ein.

Der Deal von Roche (über zweieinhalb Milliarden Mark Gewinn im vergangenen Jahr) weist auf eine neue Runde der Umstrukturierung auf dem Weltpharmamarkt hin. Der Aufstieg und Fall von Pharmakonzernen hing bislang wesentlich an der Entwicklung neuer gewinnbringender Medikamente. Gelang diese Entwicklung nicht und liefen die schützenden Patente für profitträchtige Medikamente aus, gerieten die Pharmafirmen regelmäßig in Schwierigkeiten.

Die Pharmakonzerne reagieren darauf mit drei unterschiedlichen Strategien. Die eine, fast klassische, verfolgt Roche. Die Schweizer (Weltmarktanteil heute 2,2 Prozent) kaufen ihren Konkurrenten Syntex, der derzeit in Schwierigkeiten ist. Dahinter steht die Annahme, daß Syntex mittlelfristig neue Medikamente zur Marktreife bringen kann, die dann das Investment rechtfertigen.

Die zweite Strategie verfolgt Bayer wie auch die Konkurrenz von Hoechst. Sie kaufen Firmen auf, die sogenannte Generika herstellen, billigere Kopien der Originalmedikamente. So versucht man den Marktanteil zu stabilisieren. So meldet die Bayer AG zur Zeit Interesse am US-Geschäft der heutigen Kodak-Tochter Sterling Winthrop an. Kodak will verkaufen – und Sterling Winthrop hält seit dem Ersten Weltkrieg das Bayer- Markenzeichen in den USA.

Die dritte Strategie praktizieren der Weltmarktführer Merck (Anteil 3,9 Prozent) und die derzeitige Nummer vier, der britische Pharmariese SmithKline Beecham: Sie diversifizieren in den Vertrieb von Arzneimitteln. SmithKline Beecham will für 2,3 Milliarden Dollar den viertgrößten US-Pharma-Großhändler Diversified Pharmaceuticals Services erweben. Im vergangenen Jahr hatte Merck den US-Vertriebs-Marktführer Medco für 6,7 Milliarden Dollar erworben. ten

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