Revolutionäre Zellen: 186 Anschläge
Vielleicht war es die Struktur der „Revolutionären Zellen/Rote Zora“ (RZ), die der Polizei die Arbeit bislang so schwer machte. Anders als die straff organisierte Rote Armee Fraktion (RAF) waren die RZ ein Zusammenschluss unabhängig voneinander handelnder Gruppen. Die einzelnen „Zellen“, von denen die ersten 1973 im militanten Spektrum entstanden sind, waren voneinander abgeschottet. Seit 1976 nannte sich die Organisation „Revolutionäre Zellen“ (RZ), wenig später kam der feministische Flügel und der Zusatz „Rote Zora“ dazu.
In ihren Aktionen grenzten sich die den Autonomen nahe stehenden RZ von RAF und der Bewegung 2. Juni ab. Sie gingen zwar von einer „grundsätzlichen Legitimation von Gewaltanwendung“ aus, lehnten gezielte Angriffe auf Menschenleben aber ab – so genannte „Knieschussaktionen“ auf Amtsträger und Politiker zählten für die RZ dazu nicht. Nach Erkenntnissen der Bundeswanwaltschaft (BAW) haben sich die RZ zu mindestens 186 Anschlägen bekannt, 40 davon in Berlin und Umgebung. Der letzte sei ein Sprengstoffanschlag auf eine Werft bei Bremen gewesen.
Auf das Konto der RZ gehen die Knieschüsse auf den ehemaligen Leiter der Berliner Ausländerbehörde, Harald Hollenberg, 1986 in Zehlendorf und auf den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht, Günter Korbmacher, 1987 in Lichterfelde. Auch das Attentat auf den hessischen Wirtschaftsminister Herbert Karry 1981 soll nach RZ-Aussagen als „Knieschussaktion“ geplant gewesen sein. Karry wurde getötet.
Weiter verschwunden ist nach Angaben der BAW ein Teil des Sprengstoffs, den unbekannte RZ-Mitglieder 1987 in Niedersachsen gestohlen haben. Damit sollen die RZ im Januar 1991 einen Anschlag auf die Siegessäule verübt haben. Nach der Wiedervereinigung haben zahlreiche „Zellen“ 1992 ihre Auflösung erklärt. sam
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