■ Read.Me: Vorsicht, heiß!
Längst vorbei sind die glücklichen Zeiten, in denen wir Fernsehen einfach nur schauen durften. Seit die erste TV-Generation der jetzt Dreißigjährigen ins wissenschaftstaugliche Alter gekommen ist, ist das Nachdenken über das Medium Fernsehen nämlich durchaus salonfähig geworden. Die wenig produktive kritische Distanz der alten Intelligenzija gegenüber der Flimmerkiste ist unmerklich einem neuen, geistvollen, ja: geradezu aufgeschlossenen Umgang mit den elektronischen Medien gewichen. Dem gar nicht so falschen Gedanken folgend, daß wir uns mit den Dingen beschäftigen müssen, die uns eine gehörige Zeit unseres Lebens beschäftigen, schaut die neue Forschergeneration nun nicht mehr nur mißmutig ins, sondern höchst selbstbewußt auch auf das Fernsehen.
Während wir noch über diese erfreuliche Wende nachdenken, uns mühsam an das erinnern, was war (zähe Wirkungsanalysen. Arrogante Kulturverfallstheorien.) und darüber grübeln, was wohl bald sein wird (Adorno vergessen? Postman verjagen?), haben sich findige Verleger bereits daran gemacht, uns mit mehr oder weniger brauchbaren Handbüchern, Lexika und anderen Kompendien die vorgenommene intellektuelle Vermessung des Fernsehens zu erleichtern.
Auch die allem Neuen stets aufgeschlossene taz- Medienredaktion beugt sich nun dem Geist der Zeit – und schmökert wieder. Wir werden Sie, die Sie vielleicht immer noch reflexhaft das kalte Medium TV dem heißen Medium Schrift (McLuhan reaktivieren?) vorziehen, künftig in loser Folge über unsere Lektüreeindrücke informieren. Zu Einstimmung auf die neue Rubrik „Read.Me“ geben wir in dieser Ausgabe einen kleinen Überblick über das, was Sie bereits alles hätten lesen können. Außer der Medienseite, natürlich. klab
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