Re-importierte Pestizide in Obst: Fragwürdige Früchte

In Dutzenden Sorten Import-Obst hat Greenpeace Spuren von verbotenen Pestiziden entdeckt. Diese könnten von deutschen Chemieriesen stammen.

Schilder und Fäßer als Protest gegen das EU-Mercosur-Abkommen.

Pestizide? Nein danke: Protest gegen EU-Mercosur-Abkommen am Mittwoch in Berlin Foto: dpa

BERLIN taz | Mangos, Papayas, Limetten: Exotische Früchte aus Brasilien zählen heute zum festen Sortiment in fast jedem deutschen Supermarkt. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat nun importierte Früchte auf Pestizidrückstände getestet und einen Bericht veröffentlicht. Das Ergebnis: In 59 Früchten konnten Rückstände nachgewiesen werden. 35 verschiedene Wirkstoffe wurden ermittelt, viele gehören laut Greenpeace in die Kategorie der hochgefährlichen Pestizide.

Getestet wurden Mangos, Papayas, Melonen, Feigen und Limetten. Mit­ar­bei­te­r*in­nen von Greenpeace nahmen im April und Mai bundesweit Stichproben, die Untersuchung führten zwei unabhängige Labore im Auftrag der Umweltschutzorganisation durch.

Laut Greenpeace wurden 2019, dem Jahr der letzten Erhebung, Pflanzenschutzmittel im Wert von mindestens 915 Millionen Euro aus der EU in die Mercosur-Staaten exportiert. Deutschland liegt nach Großbritannien und Frankreich an der Spitze. Besonders zwei deutsche Unternehmen stehen im Fokus: Bayer und BASF.

12 der gefundenen Wirkstoffe werden auch von Bayer vertrieben und 7 können auch BASF zugeordnet werden. „Auch deutsche Chemieriesen schaden in Brasilien Menschen, Tieren und Natur. Ein toxischer Kreislauf, denn die belasteten Früchte landen wiederum in Deutschland in unserem Obstsalat“, sagt Greenpeace-Handelsexperte Jürgen Knirsch der taz.

Toxisch oder akut toxisch?

Laut Holger Elfes, Sprecher von Bayer Crop Science, lässt sich aus Pflanzenschutzmittelresten auf Nahrungsmitteln noch nichts über eine Gefährdung aussagen. Auf Anfrage erklärten sowohl Bayer als auch BASF, keine Pflanzenschutzmittel mehr zu verkaufen, die von der Weltgesundheitsorganisation als besonders toxisch eingestuft werden. Laut Greenpeace bezieht sich die Einstufung der WHO allerdings ausschließlich auf eine akute Toxizität. Die Umweltschutzorganisation stützt sich deshalb auf die Klassifizierung des Pestizid-Aktions-Netzwerks (PAN), die auch die langfristigen Folgen für Mensch und Natur einbezieht.

Seit Langem kritisieren Umweltschützer*innen, dass EU-Staaten wie Deutschland Pestizide ins Ausland exportieren, die in der EU verboten sind. Auch der neue Greenpeace-Bericht zeigt: 11 der identifizierten Wirkstoffe sind in der EU nicht zugelassen. Laut Bayer-Sprecher Elfes sage aber die Tatsache, dass ein Pflanzenschutzmittel nicht in der EU zugelassen ist, nichts über seine Sicherheit aus.

„Viele andere Zulassungsbehörden auf der ganzen Welt verfügen über sehr robuste und hochentwickelte Regulierungssysteme zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt.“ Ihre Sicherheitsbewertungen spiegelten die „spezifischen agronomischen Bedingungen der jeweiligen Länder wider“ und stellten „mitnichten einen von einigen NGOs vorgeworfenen Doppelstandard“ dar. Auch Brasilien habe laut Elfes strenge Zulassungsbestimmungen.

Umstrittenes EU-Mercosur-Abkommen

Allerdings: Die Regierung Bolsonaro steht dem Agrobusiness nah und baut mit Hochdruck Umweltschutzvorschriften ab. Seit seinem Amtsantritt am 1. Januar 2019 wurden 1.172 neue Pestizide zugelassen.

Anlass für den Greenpeace-Bericht ist das EU-Mercosur-Abkommen, das kurz vor dem Abschluss steht. Von dem Freihandelsabkommen, das die EU mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay plant, erhoffen sich die südamerikanischen Staaten bessere Absatzmöglichkeiten für ihre Agrarprodukte in Europa. Die EU-Staaten wollen wiederum mehr Produkte wie Autos nach Südamerika exportieren. Durch fallende Zölle könnten aber auch mehr Pestizide verkauft werden, befürchten Kritiker*innen. Am Donnerstag wollen die EU-Handelsminister in Brüssel erneut über das Abkommen beraten. Deutschland gilt als Befürworter.

Andere Staaten sehen das Abkommen kritischer und werfen der brasilianischen Regierung vor, Umweltschutzrichtlinien zu missachten. Das Abkommen soll nun mit Zusatz­instrumenten zu Klima- und Umweltschutz nachgebessert werden. „Etwas Schlechtes lässt sich nicht mit ein paar Zusatzvereinbarungen verbessern“, kritisiert Knirsch von Greenpeace. „Wir fordern ein komplett neues Abkommen.“

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