Rapperin Donna Savage über ihre Musik : „Bin ’ne Boss-Bitch!“
Die Rapperin Donna Savage spricht über die Wichtigkeit, Tabus zu brechen, warum man Wut und Empörung sichtbar machen muss und wir uns unbedingt verschwestern sollten. Sie ist zu Gast beim taz lab.
taz lab | Ihre Mama „scheißte sich gar nix“, und als sie klein war, machte sie Judo und Kickboxen. Heute ist Donna Savage Rapperin. Mit tiefer Stimme, deftigen Punchlines und ungefiltert provokanten Texten erobert sie die Bühnen. Sie gehört zu einer Welle von Rapper*innen, die Feminismus neu denken: in your face, kompromisslos und wütend.
taz lab: Woher kommt der Name Donna Savage?
Donna Savage: So random. Ich habe 2014 angefangen zu rappen, da hatte ich noch einen sehr whacken Namen. Als mein jetziger Produzent Brenk Sinatra gesagt hat, dass er mit mir arbeiten will, wollte ich einen Restart. Wir haben erste Singles produziert und hatten literally einen Monat vor deren Release noch keinen Namen.
Dann habe ich Mamma Mia geschaut und gedacht: Donna ist eigentlich ein geiler Name. Nur bisschen kurz. Dann ruft Brenk mich an und brüllt so: Donna Savage ist doch urgeil! Am nächsten Tag war es klar: Da ist meine feminine und meine maskuline Seite mit drinnen, nehmen wir!
Sie singen: „Guck mal wie ich boys diss“ oder „Mach Randale mit mein’ Bitches“. Sie nehmen in Ihren Lyrics kein Blatt vor den Mund. Müssen wir alle mehr auf die Fresse sein, wie Sie sagen?
Ja. Mit nett reden und einfühlsam sein, geht nicht so viel voran. Man muss Wut und Empörung spürbar machen. Kurz, extrem sein. Ist keine Dauerlösung, aber ein guter Katalysator. So verschaffe ich mir auch Gehör. Und ich kann mich mit so einer Art von Rap sehr identifizieren.
Sie provozieren, machen Ärger, brechen Tabus mit vielen Ausdrücken. Was bringt das, was ist Ihr Ziel?
Ich errege Aufmerksamkeit, die Leute sind schockiert und schauen her. Wir erobern uns etwas zurück. Die Deutschrapbühnen waren lange tabu für Frauen. Jetzt hauen wir raus, was raus muss!
Sie haben eine sehr einzigartig tiefe Stimme und singen zu harten, dumpfen Beats. Das war lange eine Männerdomäne. Mittlerweile gibt es einige weibliche Rapper*innen. Auch Kolleg*innen von Ihnen wie OG LU. Entsteht hier eine neue Idee in der Rapszene?
Ja komplett. Lange haben Leute nicht gecheckt, was ich mache. Dann fielen so Kommentare wie: „Probiert sie ein Mann zu sein?“ „Warum redet die so komisch?“ Jetzt ist das nicht mehr Fokus, es ist normaler geworden. Viele wie Kitty Kat (auch eine Deutschrapperin) haben dazu beigetragen. Aber das hat gedauert. Hat vielen schon immer sau gestunken, was wir machen.
Sie rappen: „Deutschrap ist feminin.“ Eine Revolution im Rap?
Ja voll. Was ich mir über die Jahre alles angehört habe, geht auf keine Kuhhaut. Man muss da reinwachsen, sich ein dickes Fell zulegen, um sich da durchzuboxen.
Wieso ist es harte Arbeit? Wieso sich durchboxen?
Wir haben lange für Applaus gekämpft mit unserer Musik. Bei meinen männlichen Kollegen wird nicht so präsent über ihr Outfit geredet. Bei mir seit Tag eins. Am Anfang wurden wir Frauen gegeneinander ausgespielt und waren einem immensen Druck ausgesetzt. Es dürfe nur eine geben, hieß es immer.
Aber heute halten wir zusammen, wir verschwestern uns. Wenn ich eine andere Frau in der Musikindustrie kennenlerne, haben wir direkt eine Verbindung. Beide Frauen, beide in der Musikbranche.
Ihr Produzent sagte mal, er hätte Beats, die er Ihnen geschickt hat, auch einem der größten Deutschrapper, Xatar, geschickt. Was sagen die Rapper dazu, dass Sie ihnen die Beats nehmen?
Das weiß ich nicht. Für Brenk steht immer die Musik im Vordergrund und wer geil auf welchen Beat passt. Das ist sehr attitude-, aber geschlechtsunabhängig. Dass ich in seinen Augen mit solchen Legenden mithalten kann, ehrt mich.
Schüchtern Sie Rapper ein? Haben sie Angst vor Ihnen?
Ja. Absolut. No further questions. Ich liebe das aber, dass sie sich mit mir vergleichen. Sie sollen Angst vor mir haben. Solange sich keine Frau vor mir scheut, ist alles gut.
Was wollen Sie mit Ihrem eher untypischen Donna-Song „Neue Männer“ sagen?
Das ist neu für mich. Keine humordurchgezogene Punchline-Donna. „Dieses Land braucht frischen Wind und mehr junge Gedanken“, singe ich. Wir müssen uns zusammentun, eine große Masse werden, kämpfen. Es braucht alle. Mehr Eierstöcke haben. Ermutigung.
🐾 Auf dem taz lab spricht Donna Savage auf der Pinken Bühne, der Bühne, für die Interessen der jungen Generationen.
🐾 Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz vom 14.03.2026