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Radikal daneben-betr.: dito

betr.: dito

Oliver Tolmein, den ich ansonsten als einen analytisch scharfen und (selten genug) radikalen Journalisten schätze, liegt diesmal radikal daneben. Der mildernden Umstände wegen sei gleich hinzugefügt, daß man dasselbe von wahrscheinlich der gesamten bundesrepublikanischen Öffentlichkeit sagen muß. Weniger radikal, bezichtigt diese Jenninger zwar nicht der „insgeheimen Bewunderung für die (...) Erfolge nationalsozialistischer Politik“ (Tolmein), sondern des „Mangels an Sensibilität“ und „rhetorischer und stilistischer“ Unzulänglichkeiten. Immerhin: am Inhalt der Rede wird hier (noch?) nicht gerüttelt, während Tolmein heftig auf den Sack haut, den deutschen Esel fest im Visier.

(...) Soviel sage ich voraus: alle selbstkritischen Deutschen können von dieser Rede etwas lernen und alle Formkritiker werden Farbe bekennen müssen; und es wird sich zeigen, ob die Auseinandersetzung mit Faschismus und Antisemitismus und deren Konsequenzen in diesem Lande weiterhin nur eine Angelegenheit von mühe- und kostenlosen Feiertagsbekenntnissen sein wird.

Lucas Schmidt, Hamburg

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