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Liebe alternative Fortschrittsfeinde,
lange genug fanden Sie in dieser Zeitung ein Refugium jenseits der Rhetorik des Shareholder-Values. Damit ist nun Schluss. Ab heute erklärt Ihnen die taz, wie die Welt in Zeiten der T-Aktie funktioniert. Wissen Sie z.B., was „Venture-Kapital“ bedeutet? Genau. „Venture“, sprich:„Wäntscha“, ist Englisch und meint Wagnis. „Risikokapital“ sagt nur noch Ihr altmodischer Sparkassen-Berater, wenn er die Beteiligung an einem innovativen Unternehmen mit überdurchschnittlicher Gewinnerwartung und unterdurchschnittlichen Sicherheiten meint.
Wäntscha-Kapital ist schwer angesagt, aber in unserem Land – dem Standort D – viel zu wenig vorhanden, warnen Industriekapitäne seit Jahren. Wie Recht diese um unser Gemeinwesen Besorgten haben, zeigte sich einmal mehr am vergangenen Wochenende. In Frankfurt wurde eine Spitzeninnovation verhandelt. Es ging diesmal nicht um Internet oder Mobilfunk. Nein, besser: ein Magnetzug hoch über der Erde und schnell wie der Wind!
Doch kleingeistige Krämerseelen verhinderten den Bau einer Transrapid-Strecke zwischen Hamburg und Berlin. Nur 6,1 Milliarden Mark wollte der Bund bereit stellen – nicht als Kredit, nicht als renditeversprechender Anteil, sondern einfach so. Ein De-Luxe-Venture-Kapital quasi. Aber immer noch zu wenig für Unternehmen mit so geringen Sicherheiten wie ThyssenStahl (Umsatz: 15,5 Milliarden Mark) Siemens (Umsatz: 118 Milliarden Mark), eine Tochter von DaimlerChrysler (Umsatz: 258 Milliarden Mark) und die Bahn AG. Und da wundern wir uns, wenn deutsche Unternehmen nicht im globalisierten Wettbewerb bestehen können! Wenigstens will die Bundesregierung in zwei Jahren eine Alternativstrecke für den Transrapid vorschlagen. Ein Hoffnungschimmer für die Zukunft: Das Wagnis ist nur vertagt. Robin Alexander
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