Queeres Filmfestival in Hamburg: „Darin liegt eine wichtige Form von Empowerment“
„Remember and Resist“ ist das diesjährige Motto des Festivals. Eine Mitarbeiterin erklärt, warum Widerstand in diesem Jahr besonders wichtig ist.
Foto: HIQFF/Queerbild e. V.
taz: Hanne Homrighausen, woran soll unter dem Motto „Remember and Resist“ erinnert werden – und wogegen Widerstand geleistet werden?
Hanne Homrighausen: Das Thema hat sich dieses Jahr besonders aufgedrängt. Auch wegen der politischen Situation in Deutschland, der Frage, wie stellt sich die queere Community auf? Es geht um Widerstand gegen den Rechtsruck und die aktuellen Sparmaßnahmen, die eine große Bedrohung für marginalisierte Gruppen darstellen. Es werden demokratiefördernden und queeren Projekten die Gelder gestrichen. Das wirkt sich auf die queere Community aus, weil zum Beispiel Unterstützungsangebote nicht mehr finanziert werden können. Und zudem werden medizinische Transitionsmaßnahmen von den Krankenkassen kaum noch bewilligt. Im Eröffnungsfilm „Miss Carbón“ ist das Thema Widerstand besonders präsent. Der Film beruht auf einer wahren Geschichte in Argentinien, wo es um die erste Kohlebergarbeiterin, eine trans Frau, in Santa Cruz geht.
taz: Wie spiegelt sich das Motto in der Ausgestaltung des Festivals und im Filmprogramm wider?
Homrighausen: Es lässt sich in vielen Filmen finden. Queeres Leben ist oft ein Leben im Widerstand. Ich möchte eine Veranstaltungsreihe hervorheben, die in der Gedenkstätte am Bullenhuser Damm stattfinden wird. Wir haben dort einen Tag der queeren Erinnerungskultur organisiert. Zum Beginn gibt es eine Keynote von Monika Treut, einer lesbischen Regisseurin aus Hamburg. In ihrem Film „Cooking Up Democracy“ geht es um demokratischen Widerstand in Taiwan. Bei dem folgenden Panel reden wir darüber, wie Erinnerungsarbeit genutzt werden kann, um sich dem Rechtsruck entgegenzustellen. Als Letztes zeigen wir „Refuge“, einen Film über den antifaschistischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs in einem Dorf in Frankreich. Also das, was wir den ganzen Tag besprechen, wird dann praktisch in diesem Film gezeigt.
taz: Es gibt auf dem Festival ein Schulprogramm für Schulklassen. Warum sind queere Bildungsangebote speziell für Schulen so wichtig?
Homrighausen: Wir finden es wichtig, dass queere Themen in der Schule vorkommen und dass die Jugendlichen die Möglichkeit haben, andere Perspektiven kennenzulernen. Auf dem Festival sollen sie kostenlos die Möglichkeit haben, in einem geschützten Rahmen, außerhalb des Klassenraums, darüber zu sprechen.
taz: Welche Rolle spielt da das Filmfestival als Mittel von Empowerment?
Homrighausen: Wir hören immer wieder Geschichten von Personen, die sowas sagen wie: „Damals, als ich bei eurem Festival diesen Film gesehen hab – der hat mein Leben verändert. Der hat mir gezeigt, dass meine Geschichte kein Einzelschicksal ist.“ Genau darin liegt eine wichtige Form von Empowerment: Das Festival schafft einen Raum, in dem Menschen sich wiedererkennen, andere queere Lebensrealitäten kennenlernen und erfahren, dass sie nicht allein sind. Und: Bei uns arbeitet ein Großteil der Menschen ehrenamtlich. Das ist eine Stärke der queeren Szene – mit viel Engagement und vergleichsweise wenig Ressourcen Kultur und Aktivismus möglich zu machen. Gleichzeitig darf dieses Ehrenamt nicht darüber hinwegtäuschen, wie wichtig verlässliche Förderstrukturen für die langfristige Arbeit sind.
taz: Was möchten Sie den Besucher:innen des Festivals mit auf den Weg geben?
37. Hamburg International Queer Filmfestival, 13. 10.–18. 10. in verschiedenen Hamburger Kinos. Mehr Informationen zum Programm und Tickets gibt es hier.
Homrighausen: Einer meiner Lieblingsfilme ist „Fantasy“. Da scheint auch das Motto des Festivals durch – der Widerstand als queere Person in einer nicht besonders queerfreundlichen Umgebung. Ich finde, es ist ein tiefgründiger, aber leichter Film, mit tollen Bildern. Das wäre meine persönliche Empfehlung. Ans Publikum: Kommt vorbei. Bringt euch ein. Habt eine schöne Zeit. Damit wir danach mit Kraft für unsere Rechte weiterkämpfen können.
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