Pumpspeicherwerk im Schwarzwald : Der Markt hat gesprochen
Die Wirtschaftlichkeit des Projektes Atdorf im Südschwarzwald ist fraglich. Nachweinen muss man der Betonphantasie jedoch nicht.
D ie Gegner des Pumpspeicherwerks Atdorf frohlocken bereits - das Projekt der Schluchseewerk AG im Südschwarzwald droht zu scheitern, seine Wirtschaftlichkeit ist fraglich. Nachweinen müsst man dem Projekt aber nicht, denn sein Bau wäre ein massiver Eingriff in die Landschaft.
Anders als etwa der Schluchsee, der sich aufgrund seiner naturnahen Gestaltung trotz seiner Funktion als Pumpspeicher zu einer touristischen Attraktion entwickelt hat, wäre das Projekt Atdorf eine Industrieanlage - in die Landschaft betoniert und komplett abgesperrt.
Angesichts dieses Eingriffs in die Natur sollte man Speichertechniken den Vorzug geben, die mit bestehender Infrastruktur auskommen. Prädestiniert: die Gasnetze. Denn mit Überschusstrom kann problemlos Wasserstoff erzeugt werden, der sich bis zum Gehalt von fünf Prozent ins Erdgasnetz einspeisen lässt. Setzt diese Technik sich durch, ist Atdorf eine Milliardenruine.
Zudem droht dem Pumpspeicher Konkurrenz durch industrielle Smart Grids: Wenn Fabriken beginnen, ihre Produktion wo immer möglich am Strommarkt zu orientieren, nivellieren sie die Strompreise.
Ein Pumpspeicherwerk aber lebt von Preisunterschieden: Pumpen mit Billigstrom, Erzeugung in Hochpreisphasen. Aus diesem Grund tut auch die Photovoltaik dem Projekt Atdorf ziemlich weh, wie der Spotmarkt der Strombörse, Bezugstermin gestriger Mittwoch, exemplarisch zeigt: Tagstrom war nur noch gut einen halben Cent je Kilowattstunde teurer als Nachtstrom, weil am Mittag 15.000 Megawatt Solarstrom ins Netz flossen.
Pumpen lohnt sich da nicht mehr. All das wissen die Atdorf-Investoren EnBW und RWE natürlich genau. Schon formuliert ein Vorstand der Schluchseewerke AG, es müßten "Lösungen gefunden werden". Das klingt nun wie ein Ruf nach staatlicher Unterstützung - für ein Projekt, das der Markt offenkundig nicht braucht.
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