Prozess um Tod eines Gezi-Demonstranten

Zeuge belastet Polizei schwer

Ali Ismail Korkmaz war im Sommer am Rande von Protesten in Istanbul von Polizisten verprügelt worden. Er starb einen Monat später. Die Polizisten stehen vor Gericht.

Proteste in Kayseri im Februar. Bild: reuters

KAYSERI afp | Im Prozess um den Tod eines regierungskritischen Demonstranten in der Türkei hat ein Augenzeuge am Montag mehreren Polizisten vorgeworfen, das Opfer schwer misshandelt zu haben. Der Zeuge sagte in dem Prozess im zentralanatolischen Kayseri, der Demonstrant Ali Ismail Korkmaz sei am Rande einer Kundgebung der Istanbuler Gezi-Proteste von den Beamten brutal verprügelt worden. Der Verhandlungstag wurde von Protesten gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan begleitet.

Korkmaz war im vergangenen Juni bei einer Demonstration im westtürkischen Eskisehir zu Tode gekommen. Bilder von Überwachungskameras zeigten, wie der Student von mehreren Polizisten und Zivilisten geschlagen wurde. In dem Prozess, der aus Sicherheitsgründen von Eskisehir nach Kayseri verlegt wurde, sind neben vier Polizisten vier weitere Männer angeklagt. Die Beamten weisen die Vorwürfe zurück. Der Zeuge identifizierte am Montag jedoch die vier angeklagten Polizisten, wie eine AFP-Korrespondentin aus dem Gerichtssaal berichtete.

Vor dem Gerichtsgebäude in Kayseri protestierten rund tausend Demonstranten gegen die Politik Erdogans und dessen Regierungspartei AKP. „Die AKP-Polizei ist der Mörder von Ali“, riefen sie. Korkmaz, der nach mehr als einem Monat seinen schweren Verletzungen erlag, ist eines von acht Todesopfern der letztjährigen Proteste, die vom Istanbuler Gezi-Park ausgingen und das ganze Land erfassten. Erdogan lobte das im In- und Ausland als unverhältnismäßig kritisierte Vorgehen der Polizei seinerzeit als „Heldenepos“.

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