Protest gegen Homophobie in Italien: Rapper Fedez disst die Lega

Bei einem Auftritt hat der einflussreiche Rapper Fedez mit der rechten Lega-Partei abgerechnet. Dem Staatssender RAI wirft er Zensur vor.

Der Rapper Fedez bei einem Auftritt

Sagt, er stehe „weder rechts noch links“: Rapper Fedez Foto: Marco Piraccini/ddp

ROM taz | Am Sonntagabend war der Rapper Fedez das Aufmacherthema des italienischen Staatssenders RAI 3. Am Montag dann reservierten die drei wichtigsten Tageszeitungen des Landes – La Repubblica, Corriere della Sera, La Stampa – die Seite 1 für ihn, den „Wirbelsturm“, den „Fall Fedez“.

Dabei war der 31-Jährige bloß beim traditionellen 1.-Mai-Konzert der italienischen Gewerkschaften aufgetreten – hatte das allerdings zu einer Abrechnung mit Matteo Salvinis rechtspopulistischer Lega genutzt, die seit Monaten im Senat ein Gesetz gegen Homo-/Trans­phobie blockiert.

Mit kurzen Worten zitierte Fedez da einige Lega-Politiker aus der zweiten Reihe, die anders als ihr Chef Salvini nicht groß mit der Nummer „ich habe nichts gegen Schwule“ rumheucheln. Da ist zum Beispiel der Regionalrat, der verkündet, „wenn mein Sohn schwul wäre, würde ich ihn im Ofen verbrennen“, der Lokalpolitiker, der Homosexuellen empfiehlt, „sie sollten anfangen, sich wie normale Menschen zu verhalten“, ohne dass Salvini ihnen je Einhalt geboten hätte.

Und als wäre das noch nicht genug, schoss der Rapper dann noch eine Breitseite gegen die RAI – die das Konzert übertrug – ab. Der Sender habe versucht, seine Rede zu zensieren, habe ihm die schwulenfeindlichen Zitate der Lega-Politiker herausstreichen wollen, so Fedez.

„Kommunisten mit Rolex“

Es war ein Volltreffer. Sowohl die gemäßigt linke Partito Democratico (PD) als auch die Fünf Sterne reklamieren jetzt sowohl die schnelle Verabschiedung des Gesetzes gegen Homo-/Trans­phobie als auch den noch schnelleren Rücktritt der RAI-Spitze.

Dabei ist Federico Leonardo Lucia – so sein bürgerlicher Name – nicht wirklich ein politischer Künstler. Zu seicht, zu harmlos: Diese Vorwürfe musste er sich oft genug anhören. Und Italiens Medien redeten bisher vorneweg am meisten über seine Auftritte als Juror bei X Factor Italia, über seine Ehe mit Italiens erfolgreichster Influencerin Chiara Ferragni. Das Glamourpaar bringt es offiziell zusammen auf 36 Millionen Follower in den Social Media.

Vorneweg am eignen unternehmerischen Erfolg strickend, engagieren sich beide dann aber doch immer wieder, vor allem wenn es um Bürgerrechte, um Frauen, um Minderheiten geht. Und letztes Jahr, am Anfang der Covidpandemie, sammelten sie im wohl erfolgreichsten Crowdfunding in Italiens Geschichte 17 Millionen Euro für die Schaffung eines Feldhospitals und andere Notstandsinterventionen.

Diese Mischung – Geld wie Heu, dazu ein bisschen Engagement – ironisierte Fedez selbst in dem Song „Comunisti con la Rolex“ („Kommunisten mit Rolex“), behauptet ansonsten aber, er stehe „weder rechts noch links“.

Nicht er ist es nämlich, der mit Po­li­ti­ke­r*in­nen oder Parteien sympathisiert, sondern eher schon sie mit ihm. „Ich stehe an Fedez’ Seite“, twitterte Ex-Ministerpräsident Giuseppe Conte, und der PD-Vorsitzende Enrico Letta ließ wissen, er teile Fedez’ Worte „vollständig“. Selbst Salvini bot untertänig an, mit dem Rapper „einen Kaffee zu trinken“. Dieses Angebot allerdings dürfte ins Leere laufen.

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