Protest gegen AfD-Parteitag in Dresden: Mit Sitzblockade und Fahrraddemo

In Dresden versammeln sich am Samstag knapp 600 AfD-Delegierte zum Parteitag. Etwa 250 Menschen protestieren dagegen – friedlich, kreativ und mit Witz.

Auf einer Wand steht in einem Graffito "AfD-Parteitag (zer)stören"

Welch passender Ort für dieses Graffito: die Fassade einer öffentlichen Toilette Foto: Sebastian Kahnert/dpa

DRESDEN taz | Einige der meist jungen Demonstranten gegen den Dresdner AfD-Parteitag waren nicht nur sauer auf den „faschistischen Haufen“, wie auf Plakaten zu lesen war. Ungewöhnlich zeitig mussten sie auch aufstehen an diesem Sonnabend, um die ab 8 Uhr an den Dresdner Messehallen im ehemaligen Schlachthof eintreffenden knapp 600 Delegierten gebührend zu empfangen.

Schon um 7 Uhr waren zwei Fahrraddemos zum Tagungsort angesetzt, die die Dresdner Versammlungsbehörde zunächst untersagt hatte. Die Veranstalter, mehrere Antifa-Organisationen und „Ende Gelände“ erstritten aber vor dem Verwaltungsgericht in letzter Minute, dass zumindest der Korso aus der Neustadt mit etwa 100 Rädern stattfinden konnte. Der kleine Zug im Stadtteil Löbtau musste stationär verharren, sickerte dann aber zum Messegelände durch.

200 bis 250 Gegendemonstranten sorgten dort mit Plakaten, Sprechchören und einem schon in zwei Kilometern Entfernung hörbaren Lautsprecherwagen vor dem Halleneingang für die entsprechende Empfangskulisse. Unmöglich für die Anreisenden, sie nicht wahrzunehmen. Denn sowohl die Brücke am Parkplatz im Ostragehege als auch eine Rampe unmittelbar am Messering ließen direkten Kontakt auf etwa 30 Meter Abstand zu. Nicht unbedingt ein Spießrutenlauf für die abgebrühten und beinahe ausschließlich männlichen Delegierten, die grinsend Handyfotos schossen.

Höcke-Plakate mit ausgestrecktem Arm und der Mahnung „Nie wieder“, „Keine Bühne für die AfD!“ oder „Faschismus bleibt ein Todeskult“ provozierten die, die es anging, offenbar kaum. Auch Rufe wie „Willkommen im Tal der Ahnungslosen“ nicht. Ein missverständliches Pappschild „Nazis töten.“ hätte ausgerechnet jene ebenfalls hier vorbeikommenden Dresdner agitieren können, die in großer Zahl das ebenfalls im Messegelände untergebrachte Impfzentrum besuchten. Ein anderes Schild verglich das Erstarken der AfD mit dem Jahr 1933.

Sitzblockade auf dem Parkplatz

Die Lautsprecher-Statements zwischen deutlichen Anti-AfD-Liedern klangen wie so oft mehr nach trockener Vorlesung, entbehrten aber auch nicht des Witzes. Ein Sprecher kokettierte mit der Unterstellung, den Gegendemonstranten würden 30 Euro für ihre Teilnahme ausgezahlt. Von „Leipzig nimmt Platz“ war zu erfahren, dass man diesmal angesichts der Infektionsgefahren guten Gewissens keine Fahrt nach Dresden empfehlen konnte. Mit einer parallel geplanten und dann doch verbotenen Querdenken-Demo waren die Leipziger wohl auch abgelenkt.

Die ausschließlich sächsischen Polizeikräfte verhielten sich deeskalierend. Als etwa 30 Demonstranten die Absperrgitter umgingen und auf der Zufahrt zum Parkplatz eine Sitzblockade begannen, wurden die Autos über die Wiese umgeleitet. Die großen schwarzen „Bonzenschleudern“ des Berliner Spitzenpersonals nahmen ohnehin einen anderen Weg zum Hintereingang und schossen aggressiv mit quietschenden Reifen an den Demonstranten vorbei um die Kurve. Der Polizeibericht lag am Nachmittag noch nicht vor. Nach Informationen der Undogmatischen Radikalen Antifa wurde jedoch mindestens eine Person in Gewahrsam genommen.

Sprecherin Rosa von Striesen zeigte sich insgesamt mit dem Protest zufrieden. Das Parteitagsmotto „Deutschland. Aber normal.“ kommentierte sie als Versuch, Hass und Hetze zu normalisieren. „Es ist die Absage an eine offene und pluralistische Gesellschaft, die Äußerung der Sehnsucht nach der Neuauflage der Barbarei“, sagte sie am Samstagnachmittag.

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