: Programmstörung
■ Erster Streik in der Computerbranche
Berlin (taz) – Zum ersten Mal wird in der deutschen Computerindustrie gestreikt. Gestern legten fast die Hälfte der Angestellten bei Digital Equipment (DEC) an den Standorten Berlin, Hannover, Bremen und Hamburg die Arbeit für unbefristete Dauer nieder. Sie wollen damit einen Haustarifvertrag zwischen der IG-Metall und der Geschäftsführung durchsetzen, der auch nach der geplanten Umstrukturierung des Betriebs soziale Sicherung und Mitbestimmungsrechte garantiert. „Vor allem durch die Lahmlegung des technischen Kundendienstes kann ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstehen“, droht Christian Brunkhorst, Mitglied der Streikleitung, in Richtung Chefetage. Von dort aber war gestern noch kein Signal des Einlenkens zu vernehmen. Dafür kamen solidarische Grüße von den ArbeitnehmerInnen aus anderen Computerfirmen.
Die DEC, die genau wie der große Konkurrent IBM nicht im Arbeitgeberverband organisiert und damit an keinen Manteltarifvertrag gebunden ist, plant eine große Rationalisierung. Zunächst will die Geschäftsführung den Betrieb mit der Schwesterfirma Digital Kienzle zusammenlegen und daraus fünf Einzelfirmen bauen. „Wir vermuten, daß das bis zu 1.400 Arbeitsplätze kosten wird“, so Brunkhorst. Zur Zeit verdienen in beiden Betrieben noch 6.700 Menschen ihren Lebensunterhalt.
„Wir wollen die Umstrukturierung nicht grundsätzlich verhindern, aber sie muß sozialverträglich sein“, fordert die Streikleitung; immerhin macht die Firma bei 1,8 Milliarden DM Umsatz in Deutschland 146 Millionen Mark Verlust. Aber sie will in einem Haustarifvertrag festschreiben, daß alle ArbeitnehmerInnen vor einer Kündigung Anspruch auf eine Schulung haben. Die Betriebsvereinbarung über eine 37-Stunden-Woche, mit deren neuerlicher Kündigung die DEC- MitarbeiterInnen demnächst rechnen, soll ebenfalls festgeschrieben werden. Außerdem wollen die Streikenden erreichen, daß es auch weiterhin einen Gesamtbetriebsrat sowie Personalvertretungen auf Standortebene gibt, damit die wirtschaftliche Situation des Konzerns nicht ausschließlich der Geschäftsführung bekannt ist.
Bei DEC, wo in den letzten 18 Monaten bereits 1.400 Leute entlassen wurden, verzeichnete die IG Metall in letzter Zeit einen Beitrittsboom: inzwischen sind 30 Prozent der Belegschaft gewerkschaftlich organisiert. 1986 waren es weniger als zwei Prozent. aje
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