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Professorin über das Quanteninternet„Wichtig, dass die Technologie früh zugänglich gemacht wird“

Quanten-was? Stephanie Wehner klärt darüber auf, was es mit dem Quanteninternet auf sich hat – und wie dadurch unsere Kommunikation sicherer wird.

Ganz so einfach ist es nicht, ganz im Gegenteil: Das Quanteninternet ist zwar kompliziert, kann aber für mehr Sicherheit sorgen Foto: Patrick Pleul/dpa

Interview von

Johannes Strauch

taz: Frau Wehner, Quanteninternet – klingt ganz schön kompliziert. Ist es das auch?

Wehner: Leider ja. Es ist natürlich kompliziert, weil es Quanten beinhaltet und wir in unserer Erfahrungswelt nicht mit Quanten umgehen. Aber sagen wir es mal so: Es ist sehr kompliziert, eines zu bauen, vielleicht nicht so kompliziert zu verstehen, was damit möglich ist.

taz: Was sind denn Quanten? Und wie unterscheidet sich das Quanteninternet vom „normalen“ Internet?

Wehner: Klassische Information beruht auf Nullen und Einsen. Statt dieser klassischen Information wird im Quanteninternet Quanteninformation verschickt, in Form von Quantenbits. Die können in einem gewissen Sinne null und eins gleichzeitig sein und bestimmte Eigenschaften aufweisen, die klassische Bits nicht haben.

Bild: Marcus Gloger/Körber-Stiftung
Im Interview: Stephanie Wehner

geboren 1977, ist Professorin für Quanteninformation am QuTech-Institut der TU Delft. Für ihre Arbeiten zum Quanteninternet wurde sie 2025 mit dem Körber-Preis ausgezeichnet. Vor ihrer Zeit als Professorin arbeitete sie als professionelle Hackerin.

taz: Und wofür kann man das nutzen?

Wehner: Auf verschiedene Weisen. Zum Beispiel kann keine Kopie von den Quantenbits erstellt werden. Im Gegenteil – man kann sogar herausfinden, ob jemand versucht hat, den Quantenbit zu kopieren. Das ist einer der Gründe, warum das Quanteninternet eine gute Lösung für Sicherheitsprobleme ist.

taz: Wie muss ich mir das vorstellen? Ist das Abhören gar nicht mehr möglich, oder kann ich es nur nicht mehr verheimlichen?

Wehner: Eigentlich beides. Aber es beruht darauf, dass man es nicht mehr verheimlichen kann. Klar, würde ich direkt die Daten schicken, die ich eigentlich schützen möchte, dann könnte ich zwar merken, dass mich jemand abgehört hat, aber dann ist es ja eigentlich schon zu spät.

taz: Was macht man stattdessen?

Wehner: Man kommuniziert nicht die Daten direkt, sondern verschickt zuerst zufällige Informationen und schaut, ob jemand probiert, zuzuhören. Wenn ich feststelle, dass niemand zugehört hat, dann kann ich aus den Daten, die ich kommuniziert habe, eine sichere Verschlüsselung bauen. Die kann ich dann verwenden, um wirklich sicher zu kommunizieren.

taz: Ist das Quanteninternet also absolut abhörsicher?

Wehner: Da möchte ich ein bisschen differenzieren, Absolutismen sind ja immer etwas gefährlich. Das Quanteninternet kann natürlich nicht davor schützen, dass jemand in ein Haus einbricht und dort alle Daten klaut. Das Absichern bezieht sich hier auf jemanden, der Zugang zu dem Kommunikationskanal hat, über den wir gerade kommunizieren. Da ist es in der Tat sicher.

Das Gespräch

Stephanie Wehner berichtet zusammen mit Journalist und Moderator Johannes Büchs aus der Welt der Quanten und wie wir sie für Kommunikation nutzen können: 24. März, 19 Uhr, KörberForum, Kehrwieder 12, Hamburg. Auch ein Livestream ist eingerichtet.

taz: Ist das Quanteninternet eine radikale Neuerung?

Wehner: Ich würde es in gewisser Weise schon als etwas radikal Neues beschreiben. Aber die Idee ist nicht, dass es das klassische Internet ersetzt. Wenn ich nur einen Film schauen möchte, ist sehr unklar, warum ich das mit Quanteninternet tun sollte. Insofern gehen wir schon davon aus, dass das Quanteninternet und das normale Internet parallel existieren.

taz: Ist das Quanteninternet denn schneller?

Wehner: Das ist eine gute Frage. Schneller bezieht sich dabei auf zwei verschiedene Dinge. Angenommen, ich kann ein Quantenbit gleich schnell verschicken wie klassische Bits. Bestimmte Kommunikationsprobleme können mit exponentiell weniger Quantenbits gelöst werden als mit klassischen Bits, also ja. Nur, wie lange dauert es, ein Quantenbit zu verschicken? Zurzeit noch länger als ein klassisches Bit.

taz: Hat diese ganze Geschichte dann überhaupt Relevanz für Normalos vor ihren Laptops?

Wehner: Das finde ich auch eine sehr spannende Frage. Ich könnte ja zum Beispiel meinen, ich müsste zu Hause nicht mit der gleichen Sicherheit kommunizieren wie anderswo. Das ist vielleicht ein bisschen Geschmackssache. Bei anderen Sachen, die mit dem Quanteninternet möglich sind, finde ich es sehr wichtig, dass diese Technologie schon sehr früh zugänglich gemacht wird. Das traditionelle Internet ist ja auch nicht durch irgendwelche Akademiker entstanden, die sich im stillen Kämmerchen überlegt haben: Wir brauchen jetzt Tiktok. Sondern durch Leute, die bestimmte Ideen hatten, Probleme, die sie gerne lösen möchten und sich dann ausprobiert haben.

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