■ Press-Schlag: Die Schildbürger von Schierke
Nach dem Berliner Debakel hat das Nationale Olympische Komitee (NOK) die deutschen Städte und Regionen angewiesen, von einer Olympiabewerbung in nächster Zeit gefälligst Abstand zu nehmen. Eine kleine Gemeinde im Ostharz ficht das jedoch nicht an. Todesmutig verkündete das Örtchen Schierke sein Vorhaben, für die Winterspiele des Jahres 2006 zu kandidieren.
Einst ein florierendes Urlaubszentrum der DDR, sah das 1.100-Seelendorf nach dem Mauerfall die Chance, endlich voll in das lukrative Geschäft mit dem Wintersport einzusteigen. Doch die Naturschützer machten den emsigen Planern einen Strich durch die Rechnung. Just die Brocken-Region mit den attraktivsten Pisten und Loipen wurde in den Nationalpark Hochharz einbezogen, der ersehnten Expansion des Wintersports war damit ein Riegel vorgeschoben.
Ein Ausbau der Wintersportmöglichkeiten am Rande des Naturparks ist zwar geplant, aber eben nur am Rande. Olympia, so kalkulieren die Initiatoren der kuriosen Bewerbung vermutlich, ist trotz gestiegener Umweltansprüche nach wie vor ein Hebel zur Verwandlung friedlicher Naturlandschaften in pulsierende Zentren des Tourismus. Auf die maroden Wintersportanlagen der Schierker Umgebung, soweit überhaupt vorhanden, jedoch eine Olympiabewerbung zu gründen, das hält nicht nur der für den Sport in Sachsen-Anhalt zuständige Minister Böhmer für eine „Illusion“.
Dennoch können die olympischen Schildbürger von Schierke zufrieden sein. Sie haben ihren Ort ins Gespräch gebracht und beim IOC vermutlich einen schönen Lacherfolg erzielt. Ernst dürfte es erst werden, wenn sie Eberhard Diepgen zu ihrem Bürgermeister wählen und Axel Nawrocki zum Olympiamanager ernennen. Matti
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