Prags neuer Oberbürgermeister

Pirat und Politneuling

Zdeněk Hřib ist seit kurzem Mitglied der Piratenpartei und nun schon Prags neuer Oberbürgermeister. Er will die Korruption in seiner Stadt bekämpfen.

Zdeněk Hřib vor einer Gruppe Jouranlisten

Zdeněk Hřib stammt aus den Weißen Karpaten, dem Osten der Tschechischen Republik Foto: imago/ctk

PRAG taz | Vielleicht wird Prags neuer Oberbürgermeister Zdeněk Hřib seine Gäste im Magistrat mit einem informellen Ahoj begrüßen, dem tschechischen Allzweckgruß bei Treffen, Abschied oder Anstoßen. Dem Image des 37-Jährigen würde solch ein salopper Ton kaum schaden: Denn Hřib vertritt die Piraten, die Partei, in die die urbane Mittelschicht der Stadt an der Moldau derzeit ihre Hoffnungen setzt.

Mit 17,1 Prozent der Stimmen gingen die Piraten als zweitstärkste Partei aus den Kommunalwahlen Anfang Oktober hervor. Sie lagen nur 0,8 Prozentpunkte hinter dem Wahlsieger Bürgerpartei (ODS). Zusammen mit dem Wahlbündnis der Bürgermeister (STAN) und der Initiative Praha sobě (Prag für sich), haben die ­Piraten nun eine Koalition besiegelt, in der Hřib den Posten des Kapitäns innehat.

Als solcher will der Politneuling Hřib die Klippen der Prager Kommunalpolitik bezwingen. Der studierte Mediziner ist auf Chefsessel der Stadt inzwischen schon der dritte „Angeschwemmte“, wie die Prager die aus der Provinz Zugezogenen nennen.

Zdeněk Hřib stammt aus den Weißen Karpaten im fernen Osten der Tschechischen Republik. Aber die Prager halten ihm durchaus zugute, dass er im Gegensatz zu seinen Vorgängern, dem Olmützer Tomáš Hudeček und der Slowakin Adriana Krnáčová, nicht sofort an seinem Dialekt als „Angeschwemmter“ zu erkennen ist.

Hřibs gilt als Gesundheitsexperte

Mit größerer Skepsis als seine ferne Herkunft wird in Prag aber Hřibs Mangel an politischer Erfahrung beäugt. Zwar war er schon länger Unterstützer der Piraten, der Partei trat Hřib aber erst im April dieses Jahres bei. In einer parteiinternen Internetabstimmung mit zwei Wahlrunden wurde Hřib dann im Frühjahr gleich zum Kandidaten für die Prager Oberbürgermeisterwahl gekürt.

Der Vater dreier Kinder gilt in seiner Partei als Gesundheitsexperte. Nach seiner Promotion in Medizin an der Prager Karls-Universität im Jahr 2006 ging er direkt ins Gesundheitsmanagement. Dort arbeitete Hřib an verschiedenen Projekten, die sich vor allem der Digitalisierung des tschechischen Gesundheitswesens widmeten. Pikant ist dabei, dass in zwei Projekten, an denen Hřib seinerzeit mit­gearbeitet hatte, laut der Tschechischen Ärztekammer 2 ­Mil­lionen Kronen für nichts verheizt wurden, wie die Prager Tageszeitung Deník herausfand.

Solch sinnlosen Projekten für die Prager Amigo-Gesellschaft will Hřib den Garaus machen, beteuerte er in seiner ersten Erklärung als Oberbürgermeister oder Primátor, wie es in der tschechischen Hauptstadt heißt. Korruption und Kungelei sind dort ein schon chronisches Problem. Viel akuter sind aber Wohnungsmangel und -preise, sowie die bröckelnden Brücken der Stadt: Ganze 23 gelten Prag als einsturzgefährdet.

Es gibt also einige Schwierigkeiten, die Piratenkapitän Zdeněk Hřib an der Moldau zu meistern hat. Doch er wäre nicht der Erste, der als Prager Oberbürgermeister scheitert.

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