Präsident plant Stipendienprogramm: Uni-Chef bettelt bei Professoren

Der Präsident der Uni Hannover will ein eigenes Stipendienprogramm aufbauen - mit Geld von Professoren. Die bat er in einer E-Mail um 1.000 Euro pro Jahr.

Sollen von ihren Professoren gefördert werden: Studierende. Bild: dpa

HAMBURG taz | Der Chef der hannoverschen Leibniz Universität möchte sozial bedürftige Studenten fördern - mit dem Geld seiner 340 Professoren. Die bat Erich Barke in einer E-Mail darum, 1.000 Euro pro Jahr zu spenden, damit die Universität ein eigenes Stipendienprogramm aufbauen kann.

Der Hintergrund: Nach Barkes Eindruck fehlt in Deutschland ein "wirksames Stipendiensystem", die 90 Deutschland-Stipendien (siehe Kasten) an der Hochschule seien "viel zu wenig". Das berichtet jedenfalls die Hannoversche Allgemeine Zeitung, der das Schreiben vorliegt. Demnach möchte Barke vor allem die älteren Studenten unterstützen, die kein Kindergeld mehr bekommen, aber in der Regelstudienzeit studieren und den Bafög-Höchstsatz erhalten. Er verweist darauf, dass die Studenten mit Studiengebühren von 1.000 Euro pro Jahr belastet seien.

Die Sprecherin der Uni bestätigt die Existenz der E-Mail. "Ja, das ist eine Idee von Herrn Barke", sagte sie. Diese solle nun intern diskutiert werden. Das sei noch nichts für die Öffentlichkeit. Dass die Mail nun Journalisten vorliege, sei auf eine "bedauerliche Indiskretion" zurück zuführen. Das Wissenschaftsministerium möchte den Vorschlag nicht kommentieren, verweist aber auf ein Landesstipendienprogramm.

Laut dem Deutschem Studentenwerk erhalten derzeit drei Prozent der Studierenden ein Stipendium. Eine Auswahl:

Begabtenförderung: nach Bedürftigkeit bis zu 585 Euro, auf jeden Fall 150 Euro Büchergeld (beides monatlich). Geförderte: Etwa 23.000.

Deutschland-Stipendium: 300 Euro pro Monat. Ziel: 10.000 Geförderte.

Niedersachsen-Stipendium: 500 Euro pro Semester, rund 2.000 Plätze.

Voraussetzung: gute Studienleistungen, soziales Engagement.

Beim Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) sorgt Barkes Idee für Verwunderung. "Wir haben Wirtschaftswachstum. Warum sollen die Leute Geld an ihren eigenen Arbeitgeber bezahlen?", fragt Sozialreferent Christian Kröger. "Wir wünschen uns, dass Barke endlich in der Öffentlichkeit sagt: Wir sind unterfinanziert!" Das traue Barke sich aber nicht. Die Probleme, die Studiengebühren mit sich bringen, ließen sich nicht durch Stipendien aufheben, sagt Kröger.

Die Opposition im niedersächsischen Landtag nutzt Barkes Vorschlag für erneute Kritik an den Gebühren: "Wenn nun schon die Professoren für bedürftige Studierende spenden sollen, dann ist das der Paukenschlag im Abgesang auf die Studiengebühren", sagt Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne). Ein deutlicheres Signal dafür, dass die Gebühren der falsche Weg und die bisherigen Stipendiensysteme gescheitert sind, könne man der Landesregierung nicht geben. Gariele Andretta (SPD) findet, dass Barkes Initiative "ehrenwert" sei. Sie zeuge "von einem sozialen Gewissen, das der Landesregierung fehlt". Es sei lange bekannt, dass bisher alle Stipendienprogramme das Problem der sozialen Selektion nicht gelöst, sondern sogar noch verschärft haben. Für Victor Perli (Linke) ist der Vorschlag "ein Anzeichen von Hilflosigkeit".

Genau diese Interpretation von Barkes Vorschlag lehnt Jürgen Hesselbach ab. "Solche Denkprozesse müssen möglich sein, ohne dass sie als Votum gegen Studiengebühren instrumentalisiert werden", sagte der Präsident der Landeshochschulkonferenz (LHK) und Chef der Braunschweiger Technischen Universität. Die LHK sprach sich am Mittwoch für den Erhalt der Studienbeiträge aus.

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