Portugal besiegt - Deutschland im Halbfinale: Schweini gehabt

Das deutsche Team hat den Favoriten Portugal mit 3:2 besiegt und steht im EM-Halbfinale. Statt Superstar Ronaldo glänzte Schweinsteiger.

Der erste Schritt zum Sieg: Bastian Schweinsteiger feiert sein 1:0. Bild: dpa

BASEL taz Die Sicht war blendend für Joachim Löw. Von einer VIP-Loge des St. Jakob-Parks aus verfolgte er das Spielgeschehen. Eine Sperre der Uefa hatte dafür gesorgt, dass der Bundestrainer nicht mit der Mannschaft in Kontakt treten durfte - aber er hatte einen großartigen Panoramablick.

Portugal: Ricardo - Bosingwa, Carvalho, Pepe, Ferreira - Petit (73. Postiga), Joao Moutinho (31. Meireles) - Ronaldo, Deco, Simao - Nuno Gomes (67. Nani)

Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Rolfes, Hitzlsperger (73. Borowski) - Schweinsteiger (83. Fritz), Ballack, Podolski -Klose (89. Jansen)

Schiedsrichter: Fröjdfeldt (Schweden)

Zuschauer: 39 374 (ausverkauft)

Tore: 0:1 Schweinsteiger (22.), 0:2 Klose (26.), 1:2 Nuno Gomes (40.), 1:3 Ballack (61.), 2:3 Hélder Postiga (87.)

Gelbe Karten: Hélder Postiga, Pepe, Petit / Lahm, Friedrich

Beste Spieler: Deco, Simão / Lehmann, Schweinsteiger, Ballack

Und er sah ein Spiel, wie er es zuletzt nicht mehr gesehen hatte. Rasant, stark im Offensivspiel, ein Spiel, in dem die deutschen Spieler ihre Robustheit in den Zweikämpfen bewiesen. Und er sah, wie sie, die selbsterklärten Außenseiter, schnell in Führung gingen. 2:0 führte Löws Team nach 26 Minuten.

Erst traf nach einer Doppelpasskombination über die linke Seite Bastian Schweinsteiger, der nach seiner Rotsperre in der Kritik gestanden hatte und nun sehr belebend wirkte, genau wie Lukas Podolski, von dem das Zuspiel gekommen war. Dann köpfte Miroslav Klose Schweinsteigers Flanke ein. Das deutsche Team war, im Vergleich zu den letzten Vorrundenspielen, in denen es sich den Status des Außenseiters gegen Portugal redlich verdient hatte, kaum wiederzuerkennen. Es spielte Fußball. Und gewann am Ende nicht nur, es gewann verdient 3:2.

Die Portugiesen kamen kurz vor der Halbzeit heran: Cristiano Ronaldo setzte sich durch, tauchte vor Torhüter Jens Lehmann auf, der seinen Schuss parieren konnte, Nuno Gomes' Nachsetzer aber nicht. Löw war ein Wagnis eingegangen, und man sah an diesem Treffer und am Spielfluss, dass es nicht zu klein war. In diesem Fall war die Innenverteidigung zu weit aufgerückt, mal war es das defensive Mittelfeld, das zu offensiv agierte; es gab immer wieder Lücken für Portugals schnellen Cristiano Ronaldo. Michael Ballacks Kopfballtor zum 3:1 nach einer Stunde aber - wieder nach einer Flanke von Schweinsteiger - entschied das Spiel. Portugals 3:2 kurz vor Schluss, das fiel, als die Deutschen, in Führung liegend, immer noch weiter nach vorne spielten, und das vierminütige Anrennen der Portugiesen in der Nachspielzeit halfen nichts: Der erste Halbfinalteilnehmer heißt Deutschland.

Löw hatte auf eine kaum erprobte 4-2-3-1-Aufstellung gesetzt: mit einem Stürmer (Klose), Michael Ballack im offensiven Mittelfeld und Simon Rolfes auf der Position von Torsten Frings vor der Abwehr, der wegen einer Rippenverletzung nicht spielen konnte, neben sich Thomas Hitzlsperger, der in die alte defensivere Ballack-Rolle schlüpfen sollte. Lukas Podolski spielte über die linke Seite. Der Bundestrainer hatte bisher überaus vorsichtig agiert. Nun warf er sein Konzept gleich in mehrfacher Hinsicht um: nicht nur mit der Systemumstellung, sondern auch, indem er mit Rolfes und Hitzlsperger zwei Neue in die Mannschaft nahm. Wenn es Löws Masterplan war, sich aus psychologischen Gründen in der Vorrunde zum Außenseiter herunterzuspielen, um dann umso überraschender in dieser Viertelfinalpartie zurückzukommen - dann ging er auf.

Die Deutschen zeigten in allen Mannschaftsteilen ihr bislang bestes Spiel im Turnier; sie agierten flexibel im Positionsspiel, es schien, als hätten sie in der Einöde von Tenero, in der sie derzeit aufeinander sitzen, nur darauf gewartet, endlich in dieser Formation zusammenzuspielen.

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