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Polnische Jugendliche festgenommen

Erntehelfer in Brandenburg ohne Grund hinter Gitter gebracht/ Ministerpräsident Stolpe entschuldigt sich  ■ Von Bettina Markmeyer

Berlin (taz) — Einen besonderen Beitrag zur deutsch-polnischen Freundschaft leistete der Bundesgrenzschutz in Frankfurt/Oder in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Von einem Gurkenfeld weg, in der Nähe von Kystrin (Kreis Seelow), nahmen die Beamten am Dienstag abend 42 polnische ErntehelferInnen fest. Ihre Pässe kassierten sie ein. Teilweise in Handschellen, so der Geschäftsführer eines benachbarten Gemüsebaubetriebs, Klaus Henschel, fuhren die Grenzschützer die Jugendlichen zur Bundeswehrkaserne in Neuhardenberg. Dort mußten die 16 — 19jährigen die Nacht in einem vergitterten Raum verbringen. Erst am Mittwoch gegen 14 Uhr kamen sie wieder frei — unter anderem durch Intervention der polnischen Botschaft — und wurden nach Kystrin zurückgebracht.

Als Grund für die Aktion, an der neben den Bundesgrenzschützern Mitarbeiter des Zolls und des Arbeitsamts in Frankfurt/Oder beteiligt waren, gaben die Grenzschützer bei den Festnahmen an, die ErntehelferInnen seien nicht sozialversichert und ihre Papiere nicht vollständig. Die Jugendlichen helfen als PraktikantInnen bei der Tomaten- und Gurkenernte.

Der brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe kritisierte gestern in Potsdam die Festnahmen als „feindseligen Akt“. Er entschuldigte sich „in aller Form für die törichten Übergriffe“. Stolpe vermutete eine „wachsende Hysterie“ gegenüber Saisonkräften aus Osteuropa, da die BrandenburgerInnen offenbar befürchteten, durch sie vom Arbeitsmarkt verdrängt zu werden und kündigte eine „umfassende Aufklärung“ der Wildost-Aktion an.

Nicht klären ließ sich gestern, wer den Bundesgrenzschutz letztlich eingeschaltet hatte. Weder vom Arbeitsamt Frankfurt/Oder noch vom Bundesgrenzschutz oder dem Zoll war eine Stellungnahme zu bekommen. Nach Angaben von Klaus Henschel soll ein Arbeitsamts-Mitarbeiter den Grenzschutz zwecks Abschiebung der jungen Leute benachrichtigt haben. Da die Ernte drei Wochen früher als geplant begann, waren die PraktikantInnen beim Arbeitsamt Frankfurt/Oder zwar ordnungsgemäß angemeldet, die Geschäftsführung des Kystriner Landguts hatte aber noch nicht alle Formalitäten für die Sozialversicherung erledigen können.

Die Jugendlichen sind SchülerInnen des Technikums in der polnischen Stadt Gubin. Die Schule schickt seit zwanzig Jahren Erntehelfer in den Oderbruch. Dem Direktor des Technikums, der bei den Verhaftungen zugegen war, wurde ebenfalls der Paß abgenommen. Er kündigte an, die Beziehungen zu dem Kystriner Landgut abzubrechen.

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