Politwerbung zum Volksentscheid

Die SPD schrumpft den Tiergarten

Ein SPD-Ortsverein will zeigen, dass das Tempelhofer Feld viel größer ist als der Tiergarten - und verliert dabei jegliches Maß.

Die SPD will bauen in Tempelhof, zunächst einmal hat sie ein paar Plakate aufgestellt. Bild: dpa

Sieben Wochen sind es noch bis zum Volksentscheid über das Tempelhofer Feld. Klar, dass jetzt mit harten Bandagen gekämpft wird. Da ist es erstmals richtig lobenswert, wenn jemand versucht, zur Versachlichung beizutragen. Besonders hervorgetan hat sich der Ortsverein SPD City Schöneberg.

Der hat eine Karte vom Flugfeld genommen, die Fläche des Tiergarten-Parks darüber gelegt und //:auf Facebook veröffentlicht. So wird auf den ersten Blick klar: das Tempelhof Feld ist viel größer als der Tiergarten, eine Randbebauung scheint folglich halb so schlimm. Und für den Fall, dass jemand dem optischen Eindruck nicht glaubt, legt „CitySPD Schöneberg“ noch zwei Zahlen nach: „THF 380 ha / Gr. TG 210 ha“. Übersetzt soll das heißen: Tempelhof misst 380 Hektar, der Große Tiergarten nur 210.

Unter Bebauungsfans stieß die Karte auf große Resonanz, sie wurde oft gelikt und geteilt. Es werde Zeit, dass dem „Dummenfang“ der Volksinititive 100 % Tempelhof etwas entgegensetzt werde, so ein Kommentar.

Dumm nur, dass die Fakten frisiert wurden. Zum einen kommt man in Tempelhof nur dann auf 380 Hektar, wenn man die Flughafengebäude und die Betonfläche daneben mitrechnet. Ohne diese bleiben rund 340 Hektar. Die Volksinitiative kommt sogar nur auf 314 Hektar. Sicher ist: Wird auf dem Feld gebaut, bleiben nur die 230 Hektar freie Parkfläche, die der Senat per Gesetz schützen möchte, was er als Riesenfortschritt zu verkaufen versucht. Dabei war nie eine Bebauung des zentralen Wiesenmeers vorgesehen. Zudem kommt man auf 230 Hektar auch im Tiergarten, wenn man alle Randflächen mitzählt.

Screenshot der facebook-Seite der CitySPD Schöneberg Screenshot: www.facebook.com/pages/CitySPD-Schöneberg/132742383469853?fref=ts

Zum Zweiten kann man Tempelhof natürlich auch mit anderen Parks vergleichen. Und siehe da, das Feld ist selbst ohne Bebauung gerade mal so groß wie der Central Park in New York, es ist kleiner als der Englische Garten in München und nur halb so groß wie der Prater in Wien. Nach der Logik der Bebauungsfans müssten also auch dort überall umgehend ein paar Häuser hin.

Richtig krass aber wird es, wenn man die Karte der City-SPD mal nachmisst. Zwischen den geplanten Neubauten am West- und Ostrand des Feldes liegen etwa 1,7 Kilometer. Der Tiergarten aber hat eine Ost-West-Ausdehnung von 2,7 Kilometern. Damit er auf das Flugfeld passt, hat die SPD ihn also locker um mehr als ein Drittel geschrumpft.

Fällt das jetzt unter „Dummenfang“? Oder versteckt sich dahinter eine neue Ehrlichkeit der Sozialdemokraten? Die Tempelhofer Freiheit soll schließlich ebenfalls um rund ein Drittel schrumpfen. Und wenn sich das als sozialdemokratisches Erfolgsmodell mal durchgesetzt hat, ließe sich das doch locker auch auf alle anderen Grünflächen der Stadt übertragen.

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