Politologe Peter Grottian gestorben: Der Praktiker unter den Politologen
Der Politologe und Aktivist Peter Grottian ist am Donnerstag gestorben. Er hatte sich schon als Professor an der FU Berlin in zahlreichen Initiativen engagiert.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Der Politologe und linke Aktivist Peter Grottian ist am Donnerstagabend gestorben. Das erfuhr die taz von Mitstreitern und Freunden des Verstorbenen.
Grottian war bis 2007 fast drei Jahrzehnte lang Professor am Otto-Suhr-Insititut der Freien Universität Berlin. Schon damals war er nie nur ein linker Theoretiker, sondern auch Praktiker.
So war er Mitbegründer und prägende Figur der Bürgerinitiative Berliner Bankenskandal, die sich in den nuller Jahren mit dem Milliardenskandal um die landeseigene Berliner Bankgesellschaft auseinandersetzte.
Auch nachdem er 2007 emeritiert wurde, engagierte er sich in zahlreichen politischen Initiativen vor allem in Berlin. Er plädierte stets dafür, dass sich außerparlamentarische Initiativen vernetzen und radikal bleiben.
In den letzten Jahren hatte er sich unter anderem bei Initiativen gegen das unter Krebsverdacht stehende Pestizid Gylphosat engagiert und zu Feldbesetzungen aufgerufen. Er unterstützte auch das Berliner Volksbegehren zur Enteignung großer Immobilienkonzerne. Die Liste seiner Themen war nahezu endlos.
Ende September hatte Grottian noch das von linken Gruppierungen organisierten „BlackRock-Tribunal“ auf dem Campus der Freien Universität mitinitiiert. Dort wurden die Machenschaften des Finanzdienstleisters untersucht, bei dem Friedrich Merz lange im Aufsichtsrat saß. Dort dämpfte Grottian die Erwartungen seiner Mitstreiter. Die Kritiker bräuchten einen langen Atem, weltweite Erfolge im Kampf gegen Finanzdienstleiter wie BlackRock werde es frühestens in Jahrzehnten geben.
Grottian starb nach Angaben aus seinem Umfeld am Donnerstagabend in einem Krankenhaus in Bregenz. Er wurde 78 Jahr alt.
Ein ausführlicher Nachruf folgt.
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