Politische Talkshows

Der griechische Lügner

Theodoros Paraskevopoulos war in Deutschland ein gern gesehener Talkshow-Gast – bis er sagte, wer er eigentlich ist.

Theodoros Paraskevopoulos

Theodoros Paraskevopoulos ist angeblich ein Tsipras-Berater – oder doch nicht? Foto: Paul Zinken (dpa)

Da haben wir den Beweis: Der Grieche ist ein Lügner, ein Betrüger, ein Hochstapler. Seit Monaten tingelt Theodoros Paraskevopoulos, ein angeblich enger Berater von Ministerpräsident Tsipras, durch die Talkshows. Ein etwas runder Mann, um die 50, perfektes Deutsch, ein energischer Diskutant.

Aber jetzt, nachdem er bei Anne Will, Maybrit Illner, im ZDF-Frühstücksfernsehen und gleich zweimal bei Günther Jauch auf dem Talkstuhl gesessen hat, stellt sich heraus: Stimmt alles gar nicht, der Mann ist gar nicht der engste Berater von Tsipras. Der hat uns angelogen! Der Grieche. Um es mit „Brennpunkt“-Moderator Sigmund Gottlieb zu sagen: „Athener Provokation.“

Aber Moment. Paraskevopoulos war es gar nicht selbst, der sich größer gemacht hat als er ist. Jauch war es, der sagte: „Näher als Sie kann bestenfalls noch Frau Tsipras ihrem Mann sein.“ Paraskevopoulos behauptet jedenfalls, er habe den Talkredaktionen immer wieder gesagt, dass er nur einfaches Syriza-Mitglied sei. Aber die Talkshows suchen eben Leute, die nah dran sind, und auch noch gut Deutsch sprechen – und hätten ihn deshalb zum Tsipras-Berater gemacht. Der NDR bestreitet das.

Verwunderlich wäre die Darstellung von dennoch Paraskevopoulosnicht wenn man sich das Talkshowprogramm der vergangenen Woche anguckt. Jauch am Sonntag: „Countdown zum Staatsbankrott – Scheitert die Griechenland-Rettung?“ Plasberg am Montag: „Griechen-Poker im Bürgercheck – ist das unser Europa?“ Anne Will am Mittwoch: „Tsipras lässt das Volk abstimmen – Provokation oder Chance für Europa?“

Wenig Auswahl

Da ist die Liste an möglichen Kandidaten schnell aufgebraucht. Und weil Wolfgang Bosbach zwar in sehr vielen, aber eben nicht in allen Sendungen sitzen kann, braucht es andere, die man am Ring durch die Manege zieht.

Zum Beispiel Edmund Stoiber (Qualifikation für seinen Auftritt: Hat schon immer gesagt, dass Griechenland nicht in den Euro gehört), der sich mit erhobenem Zeigefinger durch die Jauch-Sendung schrie. Oder den Brüsseler ARD-Korrespondenten Rolf-Dieter Krause, der sich bei Plasberg wahlweise als Merkel-Berater oder als Bild-Kolumnist Franz-Josef Wagner bewarb (“Die Jungs von Syriza“ müsse man „zum Teufel jagen“).

Oder Volker Kauder, der bei Anne Will mal wieder davon sprach, dass sich die Syriza-Regierung „auf den Hosenboden“ setzen sollte. Hausaufgaben machen und so.

Denn im Gegensatz zu diesen Schlendrian-Griechen wissen unsere Politiker ja derzeit ziemlich genau, was zu tun ist. Die Konservativen und Neoliberalen zumindest, jedenfalls deren Männer. Die Linken finden im Talkshow-Rumgemeine derzeit erstaunlich wenig Gehör.

Jauch im Quotenfrühling

Dass am Ende der Sendungen viele Talkgäste heiser sind, der Erkenntnisgewinn trotzdem gen null tendiert, scheint die Zuschauer nicht zu stören. Jauch erlebt derzeit einen wahren Quotenfrühling. Und auch Plasberg rangierte an vierter Stelle der meist gesehenen Sendungen des Montagabends.

Ich jedenfalls freu mich schon auf Jauch am kommenden Wochenende. Je nach Referendum dürfte es dann wohl heißen: „Vernunft in letzter Sekunde? – Jetzt wollen die Griechen den Euro doch“ oder „Tschüss Griechenland – Wohin segeln die Hellenen?“

Wer dazu in der Runde sitzt, dürfte ja wohl klar sein. Der Lügen-Grieche bestimmt nicht mehr.

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