: Polit-Nachwuchs sorgte für Überraschungen
■ Linker Flügel stellt jetzt Mehrheit im Juso-Vorstand / Die JU vermied Streit über den "Mitgliederlisten-Schwindel"
-Vorstand / Die JU vermied Streit über den „Mitgliederlisten-Schwindel“
Erdrutschartige Veränderungen bei der Wahl des Landesvorstandes der Jusos: Überraschend gewann am Samstag der linke Flügel der Jungsozialisten (Jusos) die Mehrheit und stellt jetzt neun der elf Mitglieder des Landesvorstandes. Erst im Januar waren sieben Linke aus dem Vorstand zurückgetreten. Ihr Vorwurf: Die Rechten hätten sich zu üppig aus der Parteikasse bedient.
Noch während der Wahl hatte es nicht danach ausgesehen, als könnte eine der beiden Gruppierungen — „Turn Left“ oder „Realos“ — eine eindeutige Mehrheit bekommen. Doch trotz der eindeutigen Mehrheit im Vorstand wurde anschließend das Arbeitsprogramm der Linken nur mit knapper Mehrheit angenommen.
Die Schlachtordnung unter den 190 Delegierten war auch optisch klar: Getrennte Blöcke saßen sich gegenüber, wurde applaudiert, dann natürlich nur der „richtigen“ Fraktion - ganz wie in Bonn eben. Nur, daß man hier ein und derselben Partei angehörte. Die Niederlage der „Realos“ war hausgemacht: Persönliche Angriffe gegen ihre Kontrahenten schienen ihnen wichtiger, als Inhalte ihres Programms vorzutragen. Selbst in den eigenen Reihen zeigte sich manch einer genervt: „Anstatt untereinander zu streiten, sollten wir lieber gemeinsam der Hamburger SPD in den Arsch treten.“ Doch niemand hörte ihm zu.
Eine Überraschung ganz anderer Art hatte die Junge Union (JU) parat. Auf dem Landestag des CDU- Nachwuchses am Samstag blieb nämlich die Diskussion um angeblich gefälschte Mitgliederlisten aus. Der ehemalige Harburger JU-Vorsitzende Dennis Rowedder hatte unlängst behauptet, in den Bezirken und im Landesverband würden Mitgliedsbeiträge für „Karteileichen“ von anderen bezahlt. Auf diese Weise sei die Zahl der stimmberechtigten Mitglieder nach oben manipuliert worden, um auf Landes- und Bundesebene möglichst viele Delegierte stellen zu können.
Rowedder, der zunächst neuer JU-Landesvorsitzender werden wollte, zog aber seine Kandidatur zurück. Als Begründung für seine Veröffentlichung des „Listen- Schwindels“ führte Rowedder an, er wollte „ein Zeichen“ setzen, um zu zeigen, wie tief der JU-Landesverband gesunken sei. Ohne Gegenkandidat wurde daraufhin der 25jährige Betriebswirtschaftsstudent Klaus-Peter Hesse zum neuen Landeschef der JU gewählt. ach/nm
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