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Poetische Polente

Regression bei der Polizei schreitet voran

Scham ist ein wichtiger kultureller Filter, der das gesellschaftliche Miteinander reguliert. Ohne diese Hemmschwelle drohen der Verlust von Würde und zivilisatorischen Umgangsformen. Das Verschwinden der Scham fördert den Rückfall in infantile Verhaltensweisen. Auch bei der Autobahnpolizeiinspektion der Thüringer Polizei schreitet die Regression voran. Am Dienstag meinte sie, schamlos lyrisch Gereimtes melden zu müssen: „Ob dein Tacho richtig geht, siehst du, wenn das Licht angeht“, war die Meldung zu einer Geschwindigkeitskontrolle an Pfingsten im Einzugsgebiet überschrieben. In der klassischen deutschen Dichtkunst wird ein solcher identischer Reim mit zwei sich wiederholenden gleichen Worten „unsauber“ genannt. Die schmutzig dichtende Polizei aber greift dabei auch noch auf das Kinderfernsehen zurück, auf die Quiz-Sendung „1, 2 oder 3“. Im Original lautet der Spruch: „Ob ihr wirklich richtig steht, / seht ihr, wenn das Licht angeht.“ Dieses Zurückgreifen aufs Kindische sagt alles aus über eine ordnungshoheitliche Behörde, der von der Gesellschaft das Gewaltmonopol übertragen wurde. Demnächst schießen die jeder Strenge beraubten Beamten statt mit Pistolen noch mit Meuchelpuffern. Poetische Polente, komm zur Besinnung!

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