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■ StandbildPlatzpatronen

„Polizeiruf 110 – Mordsfreunde“, So., 20.15 Uhr, ARD

„Tosca“ ist ein Opernklassiker. Von Puccini. Kennen wir alle. Und wer nicht, konnte sich die Story vom farblosen MDR-Kommissar persönlich erklären lassen: Da soll mit Platzpatronen o. ä. die Erschießung von Toscas Herzbub Mario inszeniert werden. Aber dann wird's – peng! – doch blutiger Ernst, und das Singspiel neigt sich seinem Ende zu.

Diesen Tragik-Showdown kennen wir längst auch als Krimiklassiker. Von Durbridge. (Oder war's Wallace oder der Kurzkrimi in der Illustrierten beim Zahnarzt?) Da soll während einer Theateraufführung o. ä. laut Script und mittels Platzpatronen ein Mord gemimt werden. Aber dann hat irgendwer die präparierte Munition gegen echte ausgetauscht, und der Krimi – peng! – kann beginnen.

So gesehen war's eigentlich ein hübscher Einfall des jüngsten „Polizeiruf“, seinen „Hoppla!“-Mord ausgerechnet einer „Tosca“-Premierenvorstellung anzudichten. Wenigstens bekam die olle Kamelle vom richtigen Tode im falschen damit eine komplexe Meta-Ebene (Bühnenfiktionsscheinfake wird Fernsehfiktionswirklichkeit o. s. ä.).

Aber „Mordsfreunde“, ohnehin so raffiniert wie das Wortspiel im Titel, wollte es dann doch ganz anders. Der Krimi verlegte den Schlußakt-Auftakt kurzerhand irgendwo in die Filmmitte, um statt dessen zehn Jahre früher mit einer Autounfall-mit-Todesfolge-und-Fahrerflucht-(Vor)geschichte anzufangen. Und während im Anschluß ein lustlos-plumper Falsche-Fährte-Plot zu langweilen versuchte, waren wir in Gedanken schon ganz woanders: Nicht wahr, man könnt' ja auch mal wieder in die Oper – oder zum Zahnarzt. Da wird's im Wartezimmer bestimmt wieder vergleichsweise spannend. csch

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